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Will der Gesetzgeber den Wert eines Unternehmens ermitteln, nutzt er dafür das sogenannte vereinfachte Ertragswertverfahren. Doch das, so zeigen die IW-Forscher, führt zu einer Überbewertung der Unternehmen von 53 bis 59 Prozent. Konkret bedeutet das zum Beispiel: Ein Unternehmen, das aus Sicht des Staates 20 Millionen Euro wert ist, ist unter Berücksichtigung adäquater ökonomischer Kriterien lediglich zwischen 8,2 und 9,4 Millionen Euro wert. Das würde bedeuten, dass Unternehmen in die Bedürfnisprüfung müssen, obwohl sie eigentlich unter dem Grenzwert liegen. Für den Fall großer Unternehmen hat die Überbewertung die Konsequenz, dass sie deutlich zu viele Steuern zahlen müssen, sollten sie durch die Bedürfnisprüfung fallen.

Vor allem der Kapitalisierungszins, mit dem der Gesetzgeber den Wert des Unternehmens ermittelt, stört die Verfasser der Studie. Denn 5,49 Prozent als Maßstab sind ihnen deutlich zu wenig: Die tatsächlichen Eigenkapitalkosten liegen bei 8 bis 9 Prozent. Zudem werden Besonderheiten der Familienunternehmen in den Plänen des Finanzministeriums nur unzureichend berücksichtigt: Familienunternehmer investieren einen Großteil ihres Kapitals in ein einziges Unternehmen, was das Ausfallrisiko für sie signifikant erhöht. Zudem sind mögliche Verfügungsbeschränkungen zum Beispiel bei Veräußerungen oder Ausschüttungen oft ein erheblicher Nachteil gegenüber Alternativinvestitionen am Aktienmarkt. All das, so die Forderung der IW-Steuerexperten, sollte der Gesetzgeber berücksichtigen und einen Zuschlag von 3 bis 4 Prozent auf den Kapitalisierungszins erwägen. Dadurch würde der Unternehmenswert auf eine realistischere Größe sinken.

IW policy paper

Ralph Brügelmann / Tobias Hentze: Unternehmensbewertung als Grundlage für die Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen

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Gastbeitrag, 8. Februar 2017

Tobias Hentze auf makronom.de Wenn nicht jetzt, wann dann?Arrow

Es erscheint als ein Luxusproblem für die Politik: Wohin mit den Überschüssen in den öffentlichen Haushalten? Schulden tilgen, Investitionen erhöhen? Bei genauem Hinsehen ist eine Option den anderen überlegen: Die Zeit ist reif für eine Steuerentlastung, die diesen Namen verdient. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Tobias Hentze im Online-Magazin für Wirtschaftspolitik makronom.de. mehr

Reform der Grunderwerbsteuer
Gutachten, 6. Februar 2017

Tobias Hentze / Björn Seipelt / Michael Voigtländer Reform der GrunderwerbsteuerArrow

Deutschland gilt als Mieternation. Lediglich 45 Prozent der Haushalte in Deutschland leben in den eigenen vier Wänden. Dies liegt zum großen Teil an der hohen Grunderwerbssteuer. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat untersucht, was nötig wäre, um die Wohneigentumsquote zu erhöhen. mehr

IW-Kurzbericht, 31. Januar 2017

Tobias Hentze Fehlanreize bei der Grunderwerbsteuer im LänderfinanzausgleichArrow

Aus ökonomischer Sicht haben es Bund und Länder verpasst, im Rahmen der Neuregelung der Bund-Länder-Finanzen die Fehlanreize bei der Grunderwerbsteuer zu beheben. Denn in den vergangenen Jahren haben zahlreiche Landesregierungen den Steuersatz erhöht, da sie die Mehreinnahmen nicht mit den anderen Ländern teilen müssen – anders als bei anderen Steuerarten. mehr