Makroprudenzielle Instrumente Image
Die Politik sorgt sich, dass zu viele Deutsche Kredite aufnehmen, um ein eigenes Haus zu bauen. Sie befürchtet eine Überhitzung des Marktes. Eine Gefahr besteht derzeit aber nicht. Foto: mountainberryphoto/iStock

Der deutsche Häuslebauer ist vorsichtig: 78 Prozent der Menschen, die hierzulande eine Immobilie besitzen, zahlen weniger als 20 Prozent ihres Einkommens für Zins und Tilgung, nur vier Prozent müssen mehr als 40 Prozent aufwenden. Viel Geld leihen sich vor allem die vermögenderen Haushalte, eine Rückzahlung dürfte damit gesichert sein. „Insgesamt sind die deutschen Haushalte durch Zinszahlungen deutlich weniger belastet als Menschen in anderen europäischen Ländern“, sagt IW-Ökonom Michael Voigtländer. Der deutsche Immobilienmarkt ist somit einer der stabilsten der Welt.

Dennoch diskutiert die Politik, engere Grenzen für die Kreditvergabe zu ziehen. So plant sie unter anderem vorzuschreiben, wie viel Prozent seines Einkommens ein Schuldner maximal ausgeben darf, um einen Kredit zu bedienen – das soll vor übermäßigen Schulden schützen, um Zahlungsausfälle zu verhindern. Doch das wäre ein unnötiger Eingriff, zeigt die IW-Studie: Seit einigen Jahren nimmt die Verschuldung der privaten Haushalte in Deutschland merklich ab. Lag die Schuldenquote im Jahr 2000 noch bei 106 Prozent des verfügbaren Einkommens, sank sie bis 2015 auf 84,5 Prozent. „Hierzulande könnten sogar noch mehr Kredite vergeben werden, ohne dass eine Gefahr entsteht“, erklärt Voigtländer.

Zudem würden die neuen Regeln die Banken eher belasten als schützen. Schließlich könnten sie dann nicht mehr so viele Kredite vergeben, ihre Zinseinnahmen würden sinken und der Aufbau von Eigenkapital erschwert. „Damit werden die Banken anfälliger für Krisen“, sagt Voigtländer – das Gegenteil dessen, was die Politik eigentlich erreichen will. „Die geplanten Instrumente könnten insgesamt mehr schaden als nutzen“.

IW policy paper

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer: Eine erste Bewertung makroprudenzieller Instrumente in der Immobilienfinanzierung

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Bankenregulierung sollte nicht alle über einen Kamm scheren
Gastbeitrag, 3. Februar 2017

Markus Demary in der Zeitschrift Profil Bankenregulierung sollte nicht alle über einen Kamm scherenArrow

Die wissenschaftlichen Berater von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderten laut Medienberichten eine stärkere Regulierung der Banken. Sie folgten dabei einem Vorschlag des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht. Dieses Vorhaben ist aber aus mehreren Gründen problematisch. Ein Gastbeitrag in der Zeitschrift Profil von IW-Finanzmarktökonom Markus Demary. mehr

„Die Glücksritter würden verschwinden“
Interview, 3. Februar 2017

Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „Die Glücksritter würden verschwinden“Arrow

Michael Voigtländer, Immobilienökonom im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, sprach im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über das Bestellerprinzip für Makler auch beim Wohnungskauf. mehr

Erwerbsnebenkosten
IW-Pressemitteilung, 17. Januar 2017

Erwerbsnebenkosten Makler erschweren HauskaufArrow

Es könnten goldene Zeiten für Hauskäufer sein: Dank niedriger Zinsen ist Kaufen heute fast überall günstiger als Mieten. Doch die Nebenkosten beim Hauskauf steigen seit Jahren. Unter anderem Maklergebühren verhindern viele Geschäfte, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie. Die Politik könnte gegensteuern. mehr