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Seit dem 1. Januar gilt auch in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn. Seine Einführung begründete die Große Koalition nicht zuletzt damit, dass der Lohndruck auf viele Arbeitnehmer zu hoch sei und sie deshalb geschützt werden müssten. Wäre das tatsächlich so – betrieben Deutschlands Unternehmen Lohndumping –, müsste sich dies in vergleichsweise niedrigen Löhnen widerspiegeln. Tatsächlich aber übertrafen 2013 nur die Schweiz, Belgien und einige skandinavische Länder Deutschland bei den Arbeitskosten des Verarbeitenden Gewerbes, das im Mittelpunkt des internationalen Wettbewerbs steht.

Teilweise macht die hohe Produktivität der deutschen Industrie diesen Kostennachteil allerdings wieder wett: Unter den 25 in der IW-Studie untersuchten Ländern erreicht Deutschland die sechste Position; von den großen Industrieländern haben nur die USA eine höhere Produktivität. Allerdings ist die Produktivität nicht so hoch, dass sie den Nachteil der hohen Arbeitskosten vollständig ausgleicht – die Arbeitskosten sind im Ausland im Durchschnitt 24 Prozent niedriger als hierzulande, die Produktivität durchschnittlich aber nur 15 Prozent.

Die Folge: Die Lohnstückkosten, also die Arbeitskosten bezogen auf die erbrachte Wirtschaftsleistung, der ausländischen Konkurrenz sind 10 Prozent niedriger als in Deutschland. Nur das Vereinigte Königreich, Italien und Norwegen haben höhere Lohnstückkosten. Auch im Zeitverlauf, so die IW-Forscher in ihrer Studie, findet sich kein Beleg für ein Lohndumping in Deutschland: Zwischen 1991 und 2013 sind die Lohnstückkosten um 12 Prozent gestiegen, im Ausland sanken sie im gleichen Zeitraum um 6 Prozent.

IW-Trends

Christoph Schröder: Produktivität und Lohnstückkosten der Industrie im internationalen Vergleich

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Lohnstückkostenniveau im Jahr 2013

Verarbeitendes Gewerbe Deutschlands = 100

Auf Basis der Wechselkurse und Preise von 2013. Euro-Raum: ohne Deutschland, Irland, Luxemburg und Malta. EU: ohne Deutschland, Bulgarien, Irland, Kroatien, Luxemburg, Malta und Rumänien. Durchschnitt: Mittelwert der Länder ohne Deutschland; gewichtet mit deren Anteil am Weltexport im Zeitraum 2011 bis 2013. Quellen: Deutsche Bundesbank; Eurostat; nationale Quellen; OECD; Statistisches Bundesamt; U.S. Department of Labor; Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Ansprechpartner

Exporterfolg
IW-Pressemitteilung, 18. Oktober 2016

Interaktive Grafik zur Exportperformance Lohnstückkosten prägen WelthandelArrow

Selbst die Exportnation Deutschland muss um Anteile auf ihren Absatzmärkten kämpfen. Der Preis, zu dem Unternehmen produzieren, spielt dabei eine wichtige Rolle. Eine interaktive Grafik des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: Steigen die Lohnstückkosten stärker als bei der Konkurrenz, sinkt in der Regel der Exporterfolg. mehr

IW-Kurzbericht, 18. Oktober 2016

Christoph Schröder Wettbewerbsfähigkeit – Auf die Kosten kommt es anArrow

Die Arbeitskosten in Deutschland sind inzwischen das fünfte Jahr in Folge stärker als im Durchschnitt der EU gestiegen. Dennoch erweist sich der Arbeitsmarkt bisher als robust. Die deutsche Wirtschaft kann sich aber, wie auch seine Konkurrenten, auf Dauer nicht dem Preiswettbewerb entziehen. Dies belegt eine internationale Gegenüberstellung von Lohnstückkosten und der Entwicklung der Marktanteile auf den jeweiligen Exportmärkten. mehr

21. September 2016

Personalkosten Arbeit in Deutschland ist teuerArrow

Westdeutsche Industriebetriebe mussten auch im Jahr 2015 mit sehr hohen Arbeitskosten zurechtkommen. Nur in wenigen kleineren Ländern war Personal teurer. Zu diesem Ergebnis kommt der 44 Länder umfassende Arbeitskostenvergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr auf iwd.de