Arbeiter im Daimler-Werk bei Stuttgart. Image
Deutschlands Industrie produziert pro Arbeitsstunde mehr als die ausländische Konkurrenz, jedoch auch zu höheren Kosten. Foto: EdStock/Fotolia

Zuerst die gute Nachricht: Deutschlands Industrie ist deutlich produktiver pro Arbeitsstunde als die ausländische Konkurrenz. Durchschnittlich waren Norwegen, die USA, Japan, Kanada und die wichtigsten EU-Länder 12 Prozent weniger produktiv als die deutsche Industrie. Der Euroraum liegt sogar 14 Prozent zurück. Der Vorsprung reicht allerdings nicht aus, um den Nachteil der hohen Arbeitskosten wettzumachen. Die Lohnstückkosten – also der Verhältnis von Arbeitskosten zur Produktivität – waren 2014 bei der Konkurrenz durchschnittlich um 11 Prozent günstiger als in Deutschland.

Im Schnitt stiegen die Lohnstückkosten in Deutschland zwischen 1991 und 2014 jährlich um 0,5 Prozent. Bei der ausländischen Konkurrenz blieben die Lohnstückkosten dagegen – in heimischer Währung gerechnet – in etwa konstant, auf Euro-Basis gaben sie sogar leicht nach. Der Kostenanstieg im Euroausland war mit jährlich 0,5 Prozent genauso hoch wie hierzulande.

Wenn überhaupt von einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesprochen werden kann, zeigt die IW-Studie, betrifft das lediglich den Zeitraum von 1999 bis 2007 – und nur im Vergleich zu den anderen Ländern des Euroraums. Die expansive Lohnpolitik der vergangenen Jahre hat diesen Kostenvorteil allerdings teilweise wieder aufgezehrt. „Die Tarifparteien sollten daher vorsichtig bei weiteren Lohnerhöhungen sein“, warnt IW-Direktor Michael Hüther. „Weitere Kostensteigerungen lassen sich bei weltweit eng umkämpften Gütermärkten nicht ohne Weiteres auf die Preise, also auf die Konsumenten überwälzen.“ Mehr noch: Zu hohe Lohnabschlüsse, die beschäftigungsfeindlich wirken, würden den Konsum und damit die Konjunktur in Deutschland schwächen. Und letztlich würde das auch dem Euroraum schaden, weil von dort viele Vorleistungen bezogen werden.

Lohnstückkostenniveau im Jahr 2014

Verarbeitendes Gewerbe Deutschlands = 100

Auf Basis der Wechselkurse und Preise von 2014. Euroraum: ohne Deutschland, Irland, Luxemburg, Malta und Zypern; einschließlich Litauen. Durchschnitt: Mittelwert der Länder ohne Deutschland; gewichtet mit deren Anteil am Weltexport im Zeitraum 2012 bis 2014. Quellen: Deutsche Bundesbank; Eurostat; nationale Quellen; OECD; Statistisches Bundesamt; U.S. Department of Labor; Institut der deutschen Wirtschaft Köln

IW-Trends

Christoph Schröder: Lohnstückkosten im internationalen Vergleich – Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit erodiert

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Pressekonferenz

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Ansprechpartner

21. September 2016

Personalkosten Arbeit in Deutschland ist teuerArrow

Westdeutsche Industriebetriebe mussten auch im Jahr 2015 mit sehr hohen Arbeitskosten zurechtkommen. Nur in wenigen kleineren Ländern war Personal teurer. Zu diesem Ergebnis kommt der 44 Länder umfassende Arbeitskostenvergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr auf iwd.de

Industrielle Arbeitskosten im internationalen Vergleich
IW-Trends, 20. September 2016

Christoph Schröder Industrielle Arbeitskosten im internationalen VergleichArrow

Die Arbeitskosten des westdeutschen Verarbeitenden Gewerbes beliefen sich im Jahr 2015 auf 40,90 Euro je Arbeitnehmerstunde. Damit liegt Westdeutschland an sechster Stelle des 44 Länder umfassenden Arbeitskostenvergleichs des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und hat gegenüber dem Durchschnitt der fortgeschrittenen Industrieländer um fast ein Viertel höhere Arbeitskosten zu tragen. mehr

Mindestlohn
IW-Nachricht, 28. Juni 2016

Mindestlohn Mit Augenmaß anpassenArrow

Die Mindestlohnkommission schlägt vor, die Lohnuntergrenze ab 2017 auf 8,84 Euro je Stunde anzuheben. Sie hält sich damit an die Regeln des Mindestlohngesetzes. Kritiker fordern dagegen 10 Euro und mehr. Das wäre unverantwortlich, denn noch immer weiß niemand, wie sich der Mindestlohn bei schwächelnder Konjunktur auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. mehr