Liquiditätsmaßnahmen der EZB Image
Quelle: Eisenhans Fotolia

Im Jahr 2007 platzte die Immobilienblase; die US-Banken Bear Stearns und Lehman Brothers mussten daraufhin Insolvenz anmelden. Um ähnliche Konsequenzen in Europa zu verhindern, pumpt die EZB seither immer wieder Geld in den Markt. Mit den zusätzlichen Finanzmitteln will sie die Banken dazu bringen, sich untereinander, aber auch den Unternehmen sowie den Privathaushalten wieder mehr Kredite zu gewähren. Ob dieser Transmissionsmechanismus in den vergangenen Jahren wirklich funktioniert hat, hat IW-Finanzexperte Daniel Bendel untersucht.

Laut Studie hat der Transmissionsmechanismus vor der Finanzkrise wie erwartet gewirkt: Stellte die EZB mehr Liquidität zur Verfügung, stimulierte das die gesamte Kreditvergabe – es profitierten also sowohl der Interbankenmarkt als auch die Realwirtschaft. Mit Beginn der Krise galt das allerdings nicht mehr. Denn die Banken trauten einander nicht mehr, horteten Liquidität und vergaben kaum noch Kredite an die Realwirtschaft.

Die IW-Studie zeigt: Die EZB hat den Kredit-Mechanismus noch nicht wieder vollends ans Laufen gebracht. Zwar hat sich der Interbankenmarkt für Kredite weitgehend stabilisiert, die Zahl der Unternehmenskredite geht jedoch seit 2008 zurück – trotz der Geldschwemme durch die Zentralbank. IW-Ökonom Bendel will aber keinesfalls die Hoffnung aufgeben: „Die Untersuchungen zeigen, dass Banken häufig erst mit zeitlicher Verzögerung wieder mehr Unternehmenskredite anbieten.“

IW-Trends

Daniel Bendel: Die Effektivität der EZB-Liquiditätsmaßnahmen zur Steigerung der Kreditgeschäfte im Euroraum

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

26. September 2016

Geldpolitik Draghische EntscheidungenArrow

Seit 2008 zieht die Europäische Zentralbank (EZB) ein geldpolitisches Instrument nach dem anderen aus dem Hut, um die Märkte zu stabilisieren, die Wirtschaft zu beleben oder – wie derzeit – die Inflation anzukurbeln. Weil bislang nicht alle erhofften Wirkungen eingetreten sind, soll EZB-Chef Mario Draghi nach dem Willen einiger Ökonomen noch tiefer in die geldpolitische Trickkiste greifen. Doch das ist nicht notwendig. Denn tatsächlich wirkt die Niedrigzinspolitik – auf dem Arbeitsmarkt. mehr auf iwd.de

The Case for Reviving Securitization
IW-Kurzbericht, 26. September 2016

Markus Demary The Case for Reviving SecuritizationArrow

European financial markets are still fragmented. A lack of cross-border lending and cross-border asset holdings hinders the financing of the economy, the conduct of monetary policy as well as cross-border risk-sharing against asymmetric shocks. Reviving the market for securitizations is vital for achieving these goals. A true European Capital Markets Union is needed, but there are still a lot of obstacles to overcome. mehr

Zinsentscheidung der Federal Reserve
IW-Nachricht, 22. September 2016

Zinsentscheidung der Federal Reserve Normalisierung der Geldpolitik immer unwahrscheinlicher Arrow

Die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) hat die Erhöhung des Leitzinses erneut aufgeschoben. Im vorigen Jahr hatte die Fed ihre Niedrigzinspolitik zwar offiziell beendet. Doch trotz guter Arbeitsmarktdaten gab es seitdem keine weiteren Zinsschritte. Vom „normalen“ Leitzins, der in den USA bei 4 Prozent läge, ist die Zentralbank also weit entfernt – und müsste im Abschwung wie Europa auf negative Zinsen setzen. mehr