Immobilienmärkte Image
Baustelle in Düsseldorf: Derzeit fließt die Hälfte aller Kredite deutscher Banken in den Wohnungsbau. Eine Blase zeichnet sich aber nicht ab. Foto: Acilo/iStock

Vor der Weltwirtschaftskrise 2008 verfolgten die meisten Finanzaufsichtsbehörden den sogenannten mikroprudenziellen Ansatz: Sie überwachten die Zahlungsfähigkeit jeder einzelnen Bank. Die Krise hat dann aber deutlich gemacht, dass eine systemweite – makroprudenzielle – Regulierung sinnvoll ist. Auch die EU und ihre Mitglieder haben entsprechende Institutionen und Regeln etabliert. Und da die Finanzmärkte eng mit den Immobilienmärkten verzahnt sind, werden auch diese strenger reguliert. Das Problem: Bislang fehlen verlässliche Kennzahlen, die vor Instabilitäten warnen könnten.

Deshalb, so die IW-Studie, sollte gerade für Deutschland genau geprüft werden, ob eine verschärfte Regulierung wirklich sinnvoll ist. Denn auch wenn derzeit 50 Prozent aller Kredite deutscher Banken in den Wohnungsbau fließen, gibt es kein Anzeichen für eine Blase: Die Preise haben sich – von einigen Innenstadtlagen in Großstädten abgesehen – im internationalen Vergleich sehr moderat entwickelt. Auch bei der Kreditvergabe hat es bislang keinen auffälligen Aufwärtstrend gegeben, denn die Banken agieren noch immer sehr vorsichtig.

Die IW-Studie verweist auf Hongkong und Korea, beide Länder haben bereits Erfahrungen mit makroprudenziellen Instrumenten gesammelt und mussten mehrfach nachjustieren - zum Beispiel in der Frage, wie viel Eigenkapital Häuslebauer aufbringen müssen, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen. Dass in Deutschland ähnlich experimentiert wird, lehnt das IW Köln ab: „Es gibt kein Marktversagen in der deutschen Immobilienfinanzierung, also gibt es keine sachliche Begründung für ein Eingreifen“, sagt IW-Finanzexperte Markus Demary. „Außerdem fehlt nicht nur von regulatorischer, sondern auch von politischer und wissenschaftlicher Seite ein ausreichendes Verständnis dafür, wie die Instrumente wirken und welche Folgen sie haben könnten.“

IW-Trends

Markus Demary / Heide Haas: Auswirkungen makroprudenzieller Eingriffe in den deutschen Immobilienmarkt

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Referendum in Italien
IW-Nachricht, 2. Dezember 2016

Referendum in Italien Panik unangebracht Arrow

Am Sonntag stimmen die Italiener darüber ab, ob sie der vernünftigen und überfälligen Verfassungsreform ihrer Regierung zustimmen oder nicht. Das Referendum gilt auch als Vorentscheid über den Verbleib Italiens in der Europäischen Währungsunion. Doch selbst bei einem „Nein“ zu den Reformen ist ein Euro-Austritt längst nicht ausgemacht. mehr

16. November 2016

Außenhandel Überschüsse in der Leistungsbilanz sind kein SanktionsgrundArrow

Die deutsche Wirtschaft schreibt im Außenhandel schwarze Zahlen. Anders als oft behauptet geht der Leistungsbilanzüberschuss jedoch nicht zulasten der Krisenländer im Euroraum. Vielmehr hat der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenländer zu einer besonders großen Nachfrage nach Produkten der deutschen Investitionsgüterbranche geführt. mehr auf iwd.de

14. November 2016

Kaufnebenkosten Teurer Weg ins EigenheimArrow

Ob Sparbuch, Ansparplan oder Tagesgeldkonto: Die Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank haben viele Formen der Geldanlage unrentabel gemacht. Das Eigenheim lohnt sich dagegen mehr denn je. Doch gerade Ärmere können sich den Umzug in die eigenen vier Wände kaum leisten, weil die Kaufnebenkosten in Deutschland besonders hoch sind. mehr auf iwd.de