Zuwanderung Image
Quelle: nyul – Fotolia

Die Zuwanderung nach Deutschland erreicht aktuell Rekordstände. Während im Jahr 2013 rund 437.000 Personen mehr nach Deutschland kamen als das Land verließen, dürfte die Nettozuwanderung 2014 diese Marke sogar noch übersteigen. Nach Angaben der OECD war Deutschland schon 2013 das zweitbeliebteste Zuwanderungsland der Welt – nach den USA.

Das IW Köln hat in einer Studie gezeigt, dass Zuwanderung die deutsche Wirtschaftskraft stärkt, den Wohlstand des Einzelnen erhöht und die öffentlichen Haushalte entlastet. Auch der Sachverständigenrat betont, dass die Tragfähigkeitslücke der öffentlichen Haushalte durch Zuwanderung deutlich reduziert werden kann. Eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt ebenfalls, dass Ausländer mehr Geld in die öffentlichen Kassen einzahlen als sie aus diesen erhalten.

Gegen diese Berechnung wendet Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener ifo-Instituts, in einem aktuellen FAZ-Beitrag allerdings ein, dass sich die Bilanz ändere, wenn alle öffentlichen Ausgaben mit Ausnahme der Landesverteidigung auf die einzelnen Bürger umgelegt würden. In diesem Falle wäre aber auch die Bilanz bei deutschen Bürgern negativ. Außerdem dürften auch andere Ausgaben als nur die Landesverteidigung unabhängig von der Bevölkerungszahl anfallen und müssten entsprechend aus einer Bilanzierung ausgeklammert werden.

Um den Effekt der künftigen Zuwanderung zu prüfen, berechnet das ZEW diese in einer zweiten Berechnung mit dem Ergebnis, dass Zuwanderung die öffentlichen Haushalte langfristig entlastet – Voraussetzung: Die Einwanderer weisen zumindest im Durchschnitt ein besseres als das mittlere Qualifikationsniveau auf.

Tatsächlich weisen Neuzuwanderer heute ein deutlich höheres Qualifikationsniveau auf als früher: Im Jahr 2000 hatten lediglich 16,1 Prozent der Zuwanderer im Alter von 25 bis 64, die in den zehn Jahren zuvor nach Deutschland gekommen waren, einen Hochschulabschluss. Im Jahr 2005 betrug der Akademikeranteil der Neuzuwanderer bereits 22,2 Prozent, im Jahr 2012 sogar 31,1 Prozent. Der Akademikeranteil ist damit deutlich höher als in Deutschland insgesamt – hier hat nur etwa jeder fünfte Erwachsene einen Hochschulabschluss. Ein Großteil dieser Zuwanderer ist zudem in sogenannten Engpassberufen wie Medizin und MINT beschäftigt und in Fach- und Führungspositionen tätig.

Mit der „Blauen Karte EU“ und der Beschäftigtenverordnung hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingung für qualifizierte Zuwanderung deutlich verbessert. Damit sollte es gelingen, langfristig qualifizierte Zuwanderer für Deutschland zu gewinnen und weiter zur Stabilisierung der öffentlichen Haushalte beizutragen.

IW policy paper

Wido Geis / Felicitas Kemeny: 12 gute Gründe für Zuwanderung

IconDownload | PDF

Twitter

Twitter

Ansprechpartner

Menschen mit Behinderung
IW-Nachricht, 2. Dezember 2016

Menschen mit Behinderung Zentrale Anlaufstelle fehltArrow

Am 3. Dezember wird zum 24. Mal der „Internationale Tag der Menschen mit Behinderung“ begangen. Fast jede zehnte Person in Deutschland ist schwerbehindert, doch abgehängt sind sie deshalb nicht: Für die deutsche Wirtschaft ist die Integration behinderter Menschen vielfach selbstverständlich. Die Politik könnte sie dabei allerdings noch besser unterstützen. mehr

1. Dezember 2016

MINT-Arbeitsmarkt Auf Zuwanderer angewiesenArrow

In Deutschland ist Personal in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) seit Jahren knapp. Ohne die ausländischen Beschäftigten wäre die Fachkräftelücke sogar noch größer. Zur Verbesserung der Lage braucht es eine gezielte Zuwanderungspolitik. mehr auf iwd.de

MINT-Herbstreport 2016
Gutachten, 30. November 2016

Christina Anger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Herbstreport 2016 – Bedeutung und Chancen der ZuwanderungArrow

MINT-Kräfte haben eine zentrale Bedeutung für die Innovationskraft in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern von 2011 bis 2014 um rund 84.000 pro Jahr gestiegen ist. In vielen Regionen Deutschlands leisten Zuwanderer einen Beitrag gegen Fachkräfteengpässe. mehr