Zuwanderung Image
Jedes Jahr zieht es auch Tausende junge, gut ausgebildete Menschen nach Deutschland – zum Beispiel nach Berlin. Straßenszene in Kreuzberg. Foto: lechatnoir/iStock

Die Bundesrepublik Deutschland hat einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts zufolge im vergangen Jahr die stärkste Zuwanderung ihrer Geschichte erlebt. Der Saldo aus Zu- und Fortzügen lag mit 1,1 Millionen Menschen um über ein Drittel höher als im bisherigen Spitzenjahr 1992 mit 720.000.

Die hohe Zahl lässt sich nicht allein mit dem starken Flüchtlingszuzug erklären: So zogen 2015 insgesamt knapp 2 Millionen Menschen nach Deutschland – nahezu doppelt so viele Personen wie als Flüchtlinge registriert wurden. Zudem tauchen die ankommenden Flüchtlinge in der Regel nicht mit der Registrierung in der Statistik auf, sondern erst, wenn sie einen Asylantrag stellen. Die Zahl der Asylanträge lag 2015 jedoch bei lediglich 477.000. Entsprechend dürfte weniger als die Hälfte der Zuwanderung 2015 auf Flüchtlinge entfallen.

Deutschland hat im vergangenen Jahr also auch ohne Flüchtlinge einen Spitzenwert bei der Zuwanderung erreicht. Wie genau sich die Zuwanderung auf die Mobilität innerhalb der EU, Erwerbs- und Bildungsmigration aus Drittstaaten und den Familiennachzug aufteilt, lässt sich nicht sagen, da die entsprechenden Daten noch nicht vorliegen. Unstrittig ist jedoch, dass Deutschland 2015 für viele sehr attraktiv war – der guten Lage am Arbeitsmarkt und der Offenheit der Gesellschaft sei Dank.

Diese Offenheit gilt es zu erhalten. Denn Deutschland braucht vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – losgelöst von der humanitären Verpflichtung gegenüber Flüchtlingen – viele qualifizierte Zuwanderer, um Wachstum und Wohlstand zu sichern. Schließlich würde die hiesige Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sonst bis zum Jahr 2035 um etwa 10,5 Millionen Personen schrumpfen, was massive Probleme am Arbeitsmarkt und im umlageorientierten Sozial- und Rentenversicherungssystem mit sich brächte.

Ansprechpartner

Migrationseffekte – Integration schafft Wachstum
IW-Pressemitteilung, 16. Januar 2017

Migrationseffekte Integration schafft WachstumArrow

Die Flüchtlinge haben einen positiven Effekt auf die deutsche Konjunktur. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach erhöht die jüngste Zuwanderung das Bruttoinlandsprodukt bis 2020 um insgesamt rund 90 Milliarden Euro. Der Effekt auf das Pro-Kopf-Einkommen ist vorerst negativ. mehr

IW-Trends, 16. Januar 2017

Tobias Hentze / Galina Kolev Gesamtwirtschaftliche Effekte der Flüchtlingsmigration in DeutschlandArrow

Auf der einen Seite sind die Effekte der Flüchtlingsmigration auf das Pro-Kopf-Einkommen und die fiskalische Bilanz leicht negativ. Auf der anderen Seite steigern die höheren Staatsausgaben verbunden mit einer zunehmenden Anzahl erwerbstätiger Flüchtlinge das Wirtschaftswachstum. mehr

Bevölkerungsentwicklung
IW-Pressemitteilung, 5. Januar 2017

Bevölkerungsentwicklung In den Großstädten wird es engArrow

Während viele ländliche Gebiete Deutschlands veröden, boomen die Großstädte. Das wird in den kommenden 20 Jahren so bleiben, zeigen Bevölkerungsprognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für Berlin, Frankfurt und München. Allein Berlin wird 500.000 neue Bewohner gewinnen. mehr