Die EZB kuriert nur die Symptome Image
EZB-Chef Mario Draghi Quelle: INSM

Zum ersten Mal sinkt der Leitzins in der Eurozone unter 1 Prozent. Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich Banken bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren können. Er bildet damit eine Untergrenze für in Euro vergebene Kredite. Der neue Zinssatz von 0,75 Prozent gilt auch für die sogenannten dicken Berthas, also die umfangreichen Refinanzierungsgeschäfte der Zentralbank vom Jahreswechsel. Die EZB hatte den Banken im Dezember und Februar Geld für drei Jahre zum Leitzins angeboten. Die Banken verschafften sich auf diesem Wege rund 1.000 Milliarden Euro.

Hintergrund der jüngsten Zinssenkung ist die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone und die Eurokrise, die insbesondere den Banken zu schaffen macht. Der Zinsschritt verbessert die Ertragssituation der Banken und wird mit einiger Verzögerung auch die Finanzierungsbedingungen der Realwirtschaft verbessern.

Die lockere Geldpolitik kann die Krise allerdings nur symptomatisch bekämpfen. Zudem ist keineswegs gesichert, dass die EZB die Zinsen störungsfrei wieder erhöhen und die geschaffene Liquidität wieder einsammeln kann. Im schlimmsten Fall droht langfristig eine Geldentwertung. Zudem kann es zu Fehlinvestitionen kommen, weil sich das viele Geld auch schlechte Projekte sucht.

Zinsentscheidung der Federal Reserve
IW-Nachricht, 22. September 2016

Zinsentscheidung der Federal Reserve Normalisierung der Geldpolitik immer unwahrscheinlicher Arrow

Die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) hat die Erhöhung des Leitzinses erneut aufgeschoben. Im vorigen Jahr hatte die Fed ihre Niedrigzinspolitik zwar offiziell beendet. Doch trotz guter Arbeitsmarktdaten gab es seitdem keine weiteren Zinsschritte. Vom „normalen“ Leitzins, der in den USA bei 4 Prozent läge, ist die Zentralbank also weit entfernt – und müsste im Abschwung wie Europa auf negative Zinsen setzen. mehr

The Contribution of Supply and Demand Factors to Low Inflation
IW-Kurzbericht, 20. September 2016

Michael Hüther / Markus Demary IW Monetary Outlook: The Contribution of Supply and Demand Factors to Low InflationArrow

Eurozone inflation underperforms since the beginning of 2013 and monetary policy struggles to stabilize it since then. The items of the aggregate inflation rate indicate that low inflation is due to both supply and demand factors and weak demand is caused by indebtness and unemployment. Additional monetary policy measures are not required in the current situation because monetary policy has long lags when economies are indebted and it already helped to reduce cyclical unemployment. mehr

Why the ECB is not to blame for low interest rates
Gastbeitrag, 15. September 2016

Markus Demary auf EUROPP Why the ECB is not to blame for low interest ratesArrow

In the latest set of EU stress tests, several German lenders performed poorly. As Markus Demary writes in EUROPP (Blog of LSE about European Politics and Policy), some of this performance has been blamed on low interest rates squeezing the profitability of lenders. He argues that while the ECB has frequently been blamed for this situation, the reality is more complex and instead reflects long-term trends which can only be addressed by lasting structural reforms. mehr