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Bislang zieht es viele Flüchtlinge in Großstädte mit hohem Migrantenanteil. Vor allem Ruhrgebietsmetropolen wie Essen werden zum Ziel. Das will die Bundesregierung jetzt verhindern. Foto: Michael Luhrenberg/iStock

Anerkannte Flüchtlinge dürfen sich nach der neuen Regelung den eigenen Wohnort erstmal nicht mehr selber aussuchen. Die Regierung kann sie aber innerhalb der drei Jahre auf einzelne Städte und Regionen verteilen, abhängig von der lokalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation sowie dem vorhandenen Wohnraum und den Möglichkeiten, Deutsch zu lernen – Voraussetzungen, die im Königsteiner Schlüssel bislang nicht berücksichtigt werden. Ausgenommen von dieser Regel sind unter anderem Personen, die eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung finden, eine Berufsausbildung aufnehmen oder ein Studium beginnen.

Was vordergründig hart klingt, könnte Flüchtlingen langfristig auf ihrem Weg in die Gesellschaft helfen. Denn damit soll auch verhindert werden, dass sie sich nach der Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus in Gebieten mit hohem Migrantenanteil ansiedeln. Häufig zieht es sie in Städte, in denen bereits Familienangehörige oder Personen aus demselben Herkunftsland leben. Das bietet zwar soziale Sicherheit, kann aber den Weg in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft hemmen, wie erste Studien zeigen. Damit droht zudem eine Überlastung einzelner Großstädte, unter anderem im Ruhrgebiet.

Daher ist die Entscheidung der Bundesregierung richtig. Wichtig ist aber, dass ein bundeseinheitlicher Verteilungsmechanismus von den Ländern konsequent umgesetzt wird, sodass Flüchtlinge in die Regionen verteilt werden, in denen sie die besten Integrationschancen haben.

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Arbeitsmarkt
IW-Pressemitteilung, 19. Januar 2017

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Immer mehr Flüchtlinge finden einen Job, doch die Integration in den Arbeitsmarkt läuft noch nicht optimal. Das liegt auch daran, dass Flüchtlinge nicht dort wohnen, wo Arbeitskräfte fehlen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das muss sich ändern. mehr

IW-Trends, 16. Januar 2017

Tobias Hentze / Galina Kolev Gesamtwirtschaftliche Effekte der Flüchtlingsmigration in DeutschlandArrow

Auf der einen Seite sind die Effekte der Flüchtlingsmigration auf das Pro-Kopf-Einkommen und die fiskalische Bilanz leicht negativ. Auf der anderen Seite steigern die höheren Staatsausgaben verbunden mit einer zunehmenden Anzahl erwerbstätiger Flüchtlinge das Wirtschaftswachstum. mehr