Verschuldung deutscher Kommunen Image
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Das Statistische Bundesamt hat in einer aktuellen Veröffentlichung die Verschuldung der Kommunen zum Jahresende 2012 verglichen (siehe interaktive Karte unter diesem Text). Dabei weisen die Städte und Gemeinden im Saarland mit einer Verschuldung in Höhe von 6.220 Euro pro Einwohner den höchsten Wert auf. Dahinter folgen die hessischen (5.173 Euro) und nordrhein-westfälischen (4.426 Euro) Kommunen. In allen drei Bundesländern ist der Schuldenstand in den vergangenen Jahren deutlich angewachsen. Ganz im Norden ist die Pro-Kopf-Verschuldung am geringsten: In Schleswig-Holstein beträgt sie im Durchschnitt nur 2.175 Euro. Auch in Bayern (2.293 Euro) und Sachsen (2.753 Euro) hält sich die Verschuldung in Grenzen. Die Stadtstaaten sind im Vergleich nicht berücksichtigt.

Beim Blick in die einzelnen Bundesländer fällt auf, dass es auch hier gewaltige Unterschiede gibt – selbst in unmittelbarer Nachbarschaft: Während auf jeden Kölner Einwohner am Jahresende 2012 eine Kommunalverschuldung von 6.619 Euro entfiel, lag der Wert in Düsseldorf bei nur 1.478 Euro.

Das deutet darauf hin, dass die Politiker in den Städten und Gemeinden ganz unterschiedliche und vor allem ganz unterschiedlich erfolgreiche Finanzierungsstrategien verfolgen. Dass dabei eine Kreditfinanzierung auf Dauer nicht tragfähig ist, wird momentan in vielen Städten des Ruhrgebiets deutlich. Beispielsweise in Oberhausen (9.657 Euro Schulden pro Kopf), Mülheim (8.992 Euro) und Hagen (8.665) wächst der ohnehin beträchtliche Schuldenberg immer weiter. Die Politiker vor Ort können in diesen Städten kaum noch gegensteuern. Je weniger dies gelingt desto stärker greift die Kommunalaufsicht in die Entscheidungen vor Ort ein.

Diese Beispiele sollten die Finanzpolitiker in anderen Städten und Gemeinden ernst nehmen und alles daran setzen, selbst nicht so weit in den Schuldensumpf hineingezogen zu werden. Gebühren zu erhöhen und Leistungen zu kürzen mag kurzfristig Entlastung schaffen. Mittelfristig hilft jedoch nur, als attraktiver Standort private und vor allem gewerbliche Steuerzahler anzuziehen und zu halten.

Gemeinden in den roten Zahlen

Öffentlicher Schuldenstand je Einwohner

Für die Gemeinden ohne Färbung liegen keine Daten vor. Klicken Sie auf die einzelnen Gemeinden, um mehr zu erfahren. Sie können auch mit gedrückter Maustaste andere Teile Deutschlands ins Bild ziehen und mit Klick auf das Minuszeichen herauszoomen.

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Diese Karte können Sie kostenlos auf Ihrer Website einbetten. Schicken Sie eine Mail an onlineredaktion <AT> iwkoeln.de

Die am höchsten verschuldeten Gemeinden Deutschlands
Gemeinde Öffentlicher Schuldenstand je Einwohner Bundesland
Gröde 26.767 Schleswig-Holstein
Damp 21.633 Schleswig-Holstein
Putgarten 19.357 Mecklenburg-Vorpommern
Langeneß 19.086 Schleswig-Holstein
Masserberg 16.666 Thüringen
Lübesse 16.489 Mecklenburg-Vorpommern
Gerstengrund 16.039 Thüringen
Wangerooge 14.876 Niedersachsen
Hallig Hooge 13.507 Schleswig-Holstein
Spiekeroog 13.477 Niedersachsen
Thandorf 13.420 Mecklenburg-Vorpommern
Darmstadt 12.622 Hessen
Kaiserslautern 12.334 Rheinland-Pfalz
Utscheid 12.200 Rheinland-Pfalz
Offenbach am Main 12.136 Hessen
Selm 12.114 Nordrhein-Westfalen
Baltrum 11.880 Niedersachsen
Herten 11.831 Nordrhein-Westfalen
Mainz 11.521 Rheinland-Pfalz
St. Blasien 11.309 Baden-Württemberg
Eggesin 11.008 Mecklenburg-Vorpommern
Issersheilingen 10.988 Thüringen
Gersheim 10.839 Saarland
Dechow 10.819 Mecklenburg-Vorpommern
Saarbrücken 10.668 Saarland
Bad Karlshafen 10.438 Hessen
Pinnow 10.413 Brandenburg
Norderney 10.358 Niedersachsen
Zülow 10.075 Mecklenburg-Vorpommern
Quelle: Statistisches Bundesamt

In einer früheren Version dieses Artikels war die baden-württembergische Gemeinde Epfendorf mit einem Schuldenstand je Einwohner von 14.112 Euro verzeichnet. Tatsächlich beträgt der Schuldenstand aber nur 534 Euro. Das Statistische Landesamt in Stuttgart hat den Fehler eingeräumt und sich beim Bürgermeister von Epfendorf entschuldigt. Der Schwarzwälder Bote hat über den Fall einen Bericht veröffentlicht.

Ansprechpartner

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Der Westen Deutschlands ist reich, der Osten arm – so pauschal läuft häufig die Armutsdebatte. Tatsächlich aber stehen vor allem westdeutsche Städte schlecht da, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie. Die Politik könnte gegensteuern. mehr

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Armutsgefährdung hängt stark von regionalen Wirtschaftsstrukturen und Lebensverhältnissen ab, wie die Analyse der einkommensbezogenen Armutsquote und des Abschneidens im Regionalranking der IW Consult für die 402 deutschen Kreise zeigt. Eine Anti-Armutspolitik setzt deshalb am besten auf eine Kombination personenbezogener und regionalpolitischer Maßnahmen. mehr

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Gutachten, 30. November 2016

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MINT-Kräfte haben eine zentrale Bedeutung für die Innovationskraft in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern von 2011 bis 2014 um rund 84.000 pro Jahr gestiegen ist. In vielen Regionen Deutschlands leisten Zuwanderer einen Beitrag gegen Fachkräfteengpässe. mehr