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Ebenso, wie ein Tanker die Hilfe von Schleppern braucht, braucht Verdi eine Spitze, die weiß, wo es langgeht. Foto: Nightman1965/Fotolia

Eigentlich hätten die 1.009 Delegierten des Bundeskongresses allen Grund zum Feiern: Im Jahr 2014 stiegen die Beitragseinnahmen auf den Rekordwert von 444 Millionen Euro und seit 2013 zahlen sich die Kampagnen „Chance 2011“ und „Perspektive 2015“ aus: 2013 wurde erstmals seit der Gründung der Mitgliederschwund gestoppt, 2014 immerhin ein positiver Saldo bei den aktiven Mitgliedern erreicht (siehe Grafik).

Dennoch wirkt Verdi wie ein manövrierunfähiger Tanker auf hoher See: Zwischen 2011 und 2014 führte die Organisation nach eigenen Angaben 642 Arbeitskämpfe. In diesem Jahr sollen laut Verdi-Chef Frank Bsirske bereits 1,5 Millionen Arbeitstage durch Verdi-Streiks ausgefallen sein. Nach IW-Rechnungen gingen seit 2006 mehr als drei Viertel aller in Deutschland amtlich registrierten Ausfalltage auf das Konto von Verdi. Gebracht haben die Streiktage aber eher wenig, weil die Führung bislang kein Gespür dafür entwickelt hat, was geht und was nicht: Weder bei der Deutschen Post noch bei Amazon konnte sich die Gewerkschaft mit ihren Forderungen durchsetzen. Und bei den Kitas wurden Erwartungen geweckt, die unrealistisch waren.

Mangelhaftes Erwartungsmanagement und fehlende Ausstiegsstrategien bei erfolglosen Endlosstreiks – darüber sollten die Delegierten beim Bundeskongress also selbstkritisch diskutieren. Die Zukunft der Gewerkschaft hängt zudem davon ab, wie organisatorische Streitigkeiten künftig geregelt werden. Zwar dürfte nach Verabschiedung des Tarifeinheitsgesetzes die Gefahr abnehmen, dass weitere Verdi-Berufsgruppen dem Beispiel von Ärzten, Lotsen oder Piloten folgen und eigene schlagkräftige Spartengewerkschaften bilden.

Ungemach droht allerdings von der IG Metall: Die mächtigste deutsche Gewerkschaft will die gesamte Wertschöpfungskette der M+E-Industrie organisieren und damit in den Organisationsbereich von Verdi vorstoßen.

Abwärtstrend wird schwächer

Mitgliederentwicklung von Verdi

Ansprechpartner

Ruf nach Regulierung
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Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Dialogs „Arbeit 4.0“ werden gegen Ende dieses Jahres Vorschläge präsentiert, wie die sozialen Bedingungen und Spielregeln der zukünftigen Arbeitsgesellschaft gestaltet werden sollen. Dabei wird auch über eine Regulierung des Crowdworkings diskutiert. mehr

IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Gewerkschaften Hundert Jahre AnerkennungArrow

Im Dezember 1916 wurden die Gewerkschaften in Deutschland als Interessenvertreter der Arbeitnehmer anerkannt. Hundert Jahre später kämpfen nicht nur die deutschen Gewerkschaften gegen ihren Bedeutungsverlust. mehr

Rührei-Prinzip wird GdF zum Verhängnis
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Arbeitskampfrechtsprechung Rührei-Prinzip wird GdF zum VerhängnisArrow

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in zwei Entscheidungen vom 25.8.2015 das Arbeitskampfrecht weiterentwickelt – jeweils am Streik der Fluglotsen (1 AZR 875/13 und 1 AZR 754/13). Am 26.7.2016 ist die dritte Lotsenstreik-Entscheidung ergangen (1 AZR 160/14), mit der seit längerer Zeit einmal wieder ein Streik für rechtswidrig erkannt und hieraus eine Schadensersatzpflicht der streikenden Gewerkschaft abgeleitet worden ist. mehr