Unternehmensbesteuerung Image
Derzeit ist weltweit das Bestreben groß, steuerliche Gewinnverlagerungen einzudämmen. Foto: chungking/Fotolia

Als ein zentrales Instrument gegen steuerliche Gewinnverlagerung soll das sogenannte „Country-by-Country-Reporting“ eine wichtige Rolle einnehmen. Dannach müssen Unternehmen je Land detaillierte Angaben zu Gewinnen und Steuerzahlungen machen. Nebeneinander gelegt ergeben diese einzelnen Puzzleteile – so der Plan – ein aussagekräftiges Gesamtbild über das globale Agieren eines Konzerns.

Dabei stellt sich die Frage, wer sich dieses Gesamtbild anschauen darf. Darüber diskutieren nicht nur die G20 bei ihrem Treffen in Lima, auch die Europäische Union hatte sich vor kurzem in einer öffentlichen Konsultation ein Meinungsbild dazu eingeholt. Während die eine Seite einen Zugang für alle – sprich für die Öffentlichkeit – fordert, warnt die andere Seite vor zu viel Aktionismus. Denn wenn Konkurrenten und Medien Zugang zu sensiblen Unternehmensdaten gewährt werden sollte, sind eigentliche Geschäftsgeheimnisse plötzlich nicht mehr geheim. Für den Erfolg und damit die Zukunft eines Unternehmens kann das radikale Folgen haben: Wettbewerbsvorteile können verloren gehen, Jobs auf dem Spiel stehen. Diese Informationen sollten daher den Experten in den Steuerbehörden vorbehalten bleiben.

Eine weitere Folge von mehr Transparenz wird noch für reichlich Zündstoff nicht zuletzt zwischen den G20-Ländern sorgen. Denn in Zukunft würden deutsche Steuerbeamte nicht nur Kenntnis davon haben, dass ein Konzern kaum Steuern zahlt. Vielmehr wissen sie umgekehrt auch, wenn ein Unternehmen sehr viele Steuern zahlt. In diesem Fall müsste die deutsche Finanzverwaltung eigene Steueransprüche zurückstellen, da Gewinne sonst doppelt besteuert würden. Oder die Beamten müssten sich mit ihren ausländischen Kollegen auf einen Kompromiss einigen, nach dem jeder einen fairen Anteil an der gesamten Steuerzahlung eines Konzerns erhält. Gerade vor dem Hintergrund der zahlreichen Konzerne und großen Mittelständler mit Sitz in Deutschland könnten aufstrebende G20-Länder wie China oder Indien ein immer größeres Stück des Steuerkuchens für sich reklamieren.

Da sich vor diesem Hintergrund für Deutschland nicht zwangsläufig höhere Steuereinnahmen ergeben, könnte das Vorpreschen zu einem Bumerang werden. Denn zweifelsfrei bedeutet die strengere Regulierung mehr Bürokratie auf Seiten der Unternehmen und der Verwaltung, was den Standort Deutschland deutlich unattraktiver machen könnte. Für die deutsche Volkswirtschaft würde die Rechnung so zu einem Minusgeschäft.

Noch ist es nicht so weit. Auch wenn auf verschiedenen Ebenen – EU, G20, OECD – derzeit das Bestreben groß ist, steuerliche Gewinnverlagerungen einzudämmen, die tatsächliche Umsetzung in nationales Recht wird aber noch für viel Diskussionsstoff sorgen. Denn nicht wenige Länder locken Unternehmen mit Steuervergünstigungen an und profitieren so auf Kosten anderer.

Ansprechpartner

24. Februar 2017

Niederlande „Die Niederländer verdanken ihren Wohlstand auch dem freien Handel“Arrow

Seit jeher unterhalten die Niederlande enge wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland. Die anstehenden Parlamentswahlen werden daran wohl nichts ändern, auch wenn einige niederländische Parteien die EU kritisch sehen, wie Kees van Paridon betont, Professor of Economics an der Erasmus-Universität Rotterdam und derzeit Gastprofessor am Zentrum für Niederlande-Studien an der Universität Münster. mehr auf iwd.de

13. Februar 2017

M+E-Strukturbericht Markterschließung versus KostensenkungArrow

Die deutsche M+E-­Industrie ist stark globalisiert. Neben den Exporten werden dabei ausländische Produktionsstandorte immer wichtiger. Schon seit Jahren steigen die Direktinvestitionen im Ausland schneller als der inländische Kapitalstock. Arbeitskosten spielen dabei wieder eine größere Rolle. mehr auf iwd.de

Gastbeitrag, 8. Februar 2017

Tobias Hentze auf makronom.de Wenn nicht jetzt, wann dann?Arrow

Es erscheint als ein Luxusproblem für die Politik: Wohin mit den Überschüssen in den öffentlichen Haushalten? Schulden tilgen, Investitionen erhöhen? Bei genauem Hinsehen ist eine Option den anderen überlegen: Die Zeit ist reif für eine Steuerentlastung, die diesen Namen verdient. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Tobias Hentze im Online-Magazin für Wirtschaftspolitik makronom.de. mehr