Tarifeinheitsgesetz Image
Im aktuellen Tarifkonflikt besteht ein hohes Maß an Rechtsunsicherheit – die klare Linie fehlt. Foto: Julio César Mesa/Flickr

Die Mehrheit der Flugbegleiter ist nach Angaben von Branchenkennern zwar in der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation UFO organisiert, doch Verdi verfügt am Boden über den größten Rückhalt. Derzeit sind beide Gewerkschaften noch weit von einem Abschluss entfernt. Irgendwann werden sie aber abschließen. Vereinbaren die beiden Organisationen dann unterschiedliche Regelungen, käme es zur Tarifkollision – laut Tarifeinheitsgesetz würde sich in diesem Fall der Mehrheitstarifvertrag durchsetzen.

Ob dies der Tarifvertrag von Verdi ist und UFO mit leeren Händen dasteht, ist a priori unsicher. Denn UFO hat sich kürzlich mit zwei kleineren, noch nicht tariffähigen Gewerkschaften – der Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr und der Technikgewerkschaft Luftfahrt – zur Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) zusammengeschlossen. Welche Organisation größer ist, Verdi oder die IGL, müsste ein Notar prüfen.

Schließen die konkurrierenden Gewerkschaften zu unterschiedlichen Zeitpunkten ab, kann zudem der Fall eintreten, dass zunächst der zuerst geschlossene Tarifvertrag gilt – es besteht zu diesem Zeitpunkt ja noch keine Tarifkollision. Anschließend könnte er aber durch den später geschlossenen zweiten Tarifvertrag verdrängt werden, wenn dieser der Mehrheitstarifvertrag ist.

Es besteht ob der aktuellen Konstellation also ein hohes Maß an Rechtsunsicherheit. Die Gewerkschaften können diese auflösen, indem sie miteinander kooperieren und mit dem Arbeitgeber gemeinsame Regelungen treffen. Oder sie grenzen ihren Organisationsbereich klar ab: Verdi beschränkt sich auf das Bodenpersonal, UFO oder wahlweise die IGL auf die Flugbegleiter. In beiden Fällen würde das Tarifeinheitsgesetz sein Ziel erreichen: Die Gewerkschaften sollen organisatorische Streitereien autonom regeln und es erst gar nicht auf den Ernstfall „Tarifkollision“ ankommen lassen.

Ansprechpartner

13. Januar 2017

ver.di Mit Streiklust gegen MitgliederschwundArrow

Fünfzehn Jahre nach der Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft fällt die Bilanz gemischt aus. Die Mitgliederzahl von ver.di ging um ein gutes Viertel zurück, die Finanzen sind wieder auf dem aufsteigenden Ast – auch dank höherer Lohnabschlüsse. mehr auf iwd.de

Verdi im Kampfmodus
IW-Pressemitteilung, 9. Januar 2017

Gewerkschaften Verdi im KampfmodusArrow

Lufthansa, Eurowings, Amazon – das Jahr 2016 war wieder reich an Streiks. Das liegt auch an der veränderten Strategie von Verdi, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: 15 Jahre nach ihrer Gründung setzt die Dienstleistungsgewerkschaft zunehmend auf Konfrontation. mehr

IW-Trends, 9. Januar 2017

Hagen Lesch Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.diArrow

Im Jahr 2001 schlossen sich fünf Gewerkschaften zur Vereinten Dienstleis­tungsgewerkschaft (ver.di) zusammen. Fünfzehn Jahre nach der Gründung fällt die ver.di-Bilanz eher gemischt aus. Die Anzahl der Mitglieder sank um 27 Prozent und die Tarifbindung ging in einzelnen Tarifbereichen spürbar zurück. mehr