Streikdrohung der Flugbegleiter Image
Die Lufthansa-Flugbegleiter wollen streiken. Foto: romanb321/Fotolia

Anders als die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) setzte UFO bisher darauf, den Tarifkonflikt ohne Arbeitskampf beizulegen. Während die Piloten die Brechstange auspackten und bereits 13 Mal gestreikt haben, beschränkte sich UFO auf verbale Eskalationen und stimmte – trotz einer erfolgreichen Urabstimmung – erst einmal zwei Schlichtungen zu. Rechnet man alle Eskalationsstufen zusammen, hat der laufende Tarifkonflikt der Flugbegleiter bislang 24 Konfliktpunkte auf dem IW-Konfliktbarometer. Die Piloten setzten hingegen ganz auf Arbeitskampf: Fast die Hälfte der 113 Konfliktpunkte der laufenden Tarifrunde entfällt bei ihnen auf Ausstände (siehe Grafik). Erreicht haben sie damit allerdings nichts.

Im Schatten der beiden Berufsgewerkschaften verhandelt derzeit auch noch Verdi für das Bodenpersonal. Nach sechs ergebnislosen Runden sollen die Verhandlungen am 5. November fortgesetzt werden.

Alle Lufthansa-Tarifkonflikte haben eines gemeinsam: Bei ihnen geht es nicht nur um Lohnerhöhungen oder die Betriebsrenten, sondern auch um die Folgen der Gründung von „Eurowings“. Diese unternehmerische Entscheidung, mit der die Firmenleitung die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern will, verlangt Einschnitte bei allen Berufsgruppen. Es läge daher im Interesse aller Beteiligten, gemeinsam auszuloten, wie die Anpassungslasten zwischen Unternehmen und Mitarbeitern, aber auch zwischen den verschiedenen Arbeitnehmergruppen fair verteilt werden können.

Gemeinsame Verhandlungen könnten vermeiden, dass eine Gewerkschaft von einer Konkurrenzgewerkschaft übervorteilt wird. Dies könnte das angespannte Klima zwischen den drei Arbeitnehmerbünden erheblich verbessern. Und das Unternehmen müsste nicht länger damit rechnen, dass eine Berufsgruppe nach der anderen in den Ausstand tritt – auch für die erneut verunsicherten Kunden wäre dies ein Hoffnungsschimmer.

IW-Konfliktbarometer

Konfliktintensität der laufenden Tarifauseinandersetzungen bei der Lufthansa: So viele Konfliktpunkte verursachten die einzelnen Eskalationsstufen

Die Konfliktintensität misst anhand einer Eskalationspyramide, wie konfliktintensiv eine Tarifauseinandersetzung verläuft. Dabei werden bei Erreichen bestimmter Eskalationsstufen Maluspunkte vergeben: Streikdrohung/Aussperrungsdrohung=1 Punkt; Abbruch der Verhandlungen=2 Punkte; Streikaufruf=3 Punkte; Warnstreik=4 Punkte; Scheitern und Schlichtung sowie juristische Auseinandersetzungen=5 Punkte; Scheitern und Urabstimmung oder Scheitern und Streikankündigung=6 Punkte; Streik und Aussperrung=7 Punkte. Stand: November 2015

Ansprechpartner

13. Januar 2017

ver.di Mit Streiklust gegen MitgliederschwundArrow

Fünfzehn Jahre nach der Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft fällt die Bilanz gemischt aus. Die Mitgliederzahl von ver.di ging um ein gutes Viertel zurück, die Finanzen sind wieder auf dem aufsteigenden Ast – auch dank höherer Lohnabschlüsse. mehr auf iwd.de

IW-Trends, 9. Januar 2017

Hagen Lesch Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.diArrow

Im Jahr 2001 schlossen sich fünf Gewerkschaften zur Vereinten Dienstleis­tungsgewerkschaft (ver.di) zusammen. Fünfzehn Jahre nach der Gründung fällt die ver.di-Bilanz eher gemischt aus. Die Anzahl der Mitglieder sank um 27 Prozent und die Tarifbindung ging in einzelnen Tarifbereichen spürbar zurück. mehr

Verdi im Kampfmodus
IW-Pressemitteilung, 9. Januar 2017

Gewerkschaften Verdi im KampfmodusArrow

Lufthansa, Eurowings, Amazon – das Jahr 2016 war wieder reich an Streiks. Das liegt auch an der veränderten Strategie von Verdi, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: 15 Jahre nach ihrer Gründung setzt die Dienstleistungsgewerkschaft zunehmend auf Konfrontation. mehr