Viel Lärm um ein paar Tassen Kaffee Image
Für viel mehr als ein paar Tassen Kaffee reichen die groß angekündigten Steuerentlastungen im kommenden Jahr nicht. Foto: no limit pictures/iStock

Wer viel arbeitet, zahlt in der Regel viele Steuern. Daran wird sich im neuen Jahre wenig ändern. Etwas mehr Netto vom Brutto bleibt allerdings durchaus auf dem Gehaltszettel: Zwischen sechs und 20 Euro weniger Steuern zahlen Singles oder Ehepaare bei einem Bruttogehalt zwischen 2.000 und 4.000 Euro im Monat. Familien kommt zusätzlich eine Erhöhung des Kindergelds um monatlich zwei Euro zugute.

Doch was zunächst als Gewinn erscheint, wird in vielen Fällen direkt wieder kassiert: Der Zusatzbeitrag für Arbeitnehmer zur gesetzlichen Krankenversicherung wird 2016 im Durchschnitt von 0,9 auf voraussichtlich 1,1 Prozent steigen. Das bedeutet eine Zusatzbelastung bis zu acht Euro im Monat. Auf dem Konto kommen so bei den allermeisten Singles, Ehepaaren und Familien nur zwei bis zehn Euro mehr im Monat an (siehe interaktive Grafik).

Dies gilt insbesondere für gesetzlich Versicherte, deren Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zusätzlich aufgrund der erhöhten Beitragsbemessungsgrenze steigen. Statt 49.500 Euro im Jahr 2015 liegt der Wert im Jahr 2016 bei 50.850 Euro. Wessen Gehalt oberhalb dieser Grenze liegt, muss rund 10 Euro mehr im Monat in die Versicherungen einzahlen.

Der seitens der Bundesregierung groß angekündigte Abbau der kalten Progression entpuppt sich damit als Luftblase. Denn die Politik hat halbherzig nur einen kleinen Teil der heimlichen Steuererhöhungen der Vorjahre abgebaut. Außerdem konterkarieren die höheren Sozialversicherungsbeiträge eine spürbare Entlastung der Bürger.

Nur wenig Entlastung

Um so viele Euro reduziert sich die Steuer- und Abgabenlast 2016 gegenüber 2015 bei entsprechendem Bruttojahreseinkommen

Annahmen: gesetzlich krankenversichert (Zusatzbeitrag 1,1 Prozent), kirchensteuerpflichtig (9 Prozent), Alleinverdiener bei Ehepaar und Ein-Kind-Familie, Hinweis: Da alle Beispiele unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung liegen, wirkt sich die Erhöhung dieser Grenze nicht auf die Abgabenbelastung aus, Quelle: IW Köln auf Basis des Bundesfinanzministeriums

Ansprechpartner

IW policy paper
IW policy paper, 2. Dezember 2016

Martin Beznoska Die Belastungs- und Aufkommenswirkungen der kalten ProgressionArrow

Von 2010 bis einschließlich 2015 hat sich die gesamte, nicht mittels Tarifanpassungen ausgeglichene Zusatzbelastung der Steuerzahler durch die kalte Progression auf 36,5 Milliarden Euro summiert. Diese versteckten impliziten Steuererhöhungen durch die kalte Progression sind nicht durch die Gesetzgebung legitimiert und sollten daher von der Politik beseitigt werden. mehr

IW-Kurzbericht, 23. November 2016

Jochen Pimpertz Pflegereform III – Personalkosten sind mehr als die VergütungArrow

Um dem steigenden Pflegebedarf gerecht werden zu können, bedarf es unter anderem eines Ausbaus der Pflegeinfrastruktur. Neue Nachweispflichten für die Betreiber von Pflegeeinrichtungen drohen aber die Investitionsbedingungen zu verschlechtern. Leidtragende wären Pflegebedürftige und Steuerzahler. mehr

12. Oktober 2016

Demografie und Steuereinnahmen Chronik eines angekündigten SteuereinbruchsArrow

Kurzfristig werden die Effekte der alternden Bevölkerung zwar noch von der hohen Zuwanderung überdeckt. Doch langfristig reißt die demografische Entwicklung in Deutschland milliardentiefe Löcher in die Staatskassen. mehr auf iwd.de