Staatsschuldenkrise Image
Quelle: eyetronic – Fotolia

Bereits am 22. Januar 2015, als die EZB das sogenannte Public Sector Purchase Program (PSPP) nur ankündigte, reagierte der Markt: In den ersten 30 Tagen nach der Ankündigung sank der Euro gegenüber Dollar, Yen und britischem Pfund stärker als zuvor. Zudem sanken die Zinsen der Anleihen Italiens, Portugals und Spaniens. Ausnahme waren lediglich die Zinsen auf griechische Anleihen, welche die EZB nicht kauft.

Die Reaktionen auf die Ankündigung des PSPP deuten darauf hin, dass die Marktteilnehmer der EZB vertrauen. Die Abwertung des Euro und die sinkenden Zinsen werden darüber hinaus der europäischen Wirtschaft positive Impulse geben.

Doch ungefährlich ist das Agieren der EZB nicht: Ohne Strukturreformen wird die Wirkung des PSPP schnell verpuffen. Dann werden die Nebenwirkungen der Anleihekäufe überwiegen. Denn mit dem PSPP senkt die EZB die langfristigen Zinsen, die kurzfristigen sind durch die Leitzinssenkungen der Vergangenheit mit aktuell 0,05 Prozent bereits sehr niedrig. Und eine längere Phase extrem niedriger Zinsen führt dazu, dass Sparer und Investoren riskanter investieren müssen, um Gewinne zu erwirtschaften, was allerdings neue Finanzkrisen heraufbeschwören kann.

Um diese Gefahren des PSPP abzumildern, ist die Politik gefragt: Sie muss ihren Reformkurs konsequent fortführen, Schulden abbauen und Maßnahmen beschließen, die das Wachstum in Europa ankurbeln. Denn nur in einer stabilen Eurozone, das zeigen IW-Studien, kann die EZB damit beginnen, die Niedrigzinsphase zu beenden.

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld?

IconDownload | PDF

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Does the ECB’s Unconventional Monetary Policy Endanger the Exit from the Current Low Interest Rate Environment?

IconDownload | PDF

Studie für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft

Markus Demary / Jürgen Matthes: Das aktuelle Niedrigzinsumfeld – Ursachen, Wirkungen und Auswege

IconDownload | PDF

IW policy paper

Jürgen Matthes: The low interest rate environment – Causes, effects and a way out

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Referendum in Italien
IW-Nachricht, 2. Dezember 2016

Referendum in Italien Panik unangebracht Arrow

Am Sonntag stimmen die Italiener darüber ab, ob sie der vernünftigen und überfälligen Verfassungsreform ihrer Regierung zustimmen oder nicht. Das Referendum gilt auch als Vorentscheid über den Verbleib Italiens in der Europäischen Währungsunion. Doch selbst bei einem „Nein“ zu den Reformen ist ein Euro-Austritt längst nicht ausgemacht. mehr

16. November 2016

Außenhandel Überschüsse in der Leistungsbilanz sind kein SanktionsgrundArrow

Die deutsche Wirtschaft schreibt im Außenhandel schwarze Zahlen. Anders als oft behauptet geht der Leistungsbilanzüberschuss jedoch nicht zulasten der Krisenländer im Euroraum. Vielmehr hat der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenländer zu einer besonders großen Nachfrage nach Produkten der deutschen Investitionsgüterbranche geführt. mehr auf iwd.de

Schadet die EZB-Geldpolitik mehr, als sie nützt?
Gastbeitrag, 19. Oktober 2016

Michael Hüther im Magazin Positionen Schadet die EZB-Geldpolitik mehr, als sie nützt?Arrow

Die Europäische Zentralbank will die Wirtschaft ankurbeln, indem sie die Zinsen gen null drückt: Sparen allein lohnt nicht mehr – wer sein Geld mehren will, muss investieren. Aber sorgt dieser Gedanke tatsächlich für den angestrebten Effekt? Diese Frage ergründet IW-Direktor in einem Gastbeitrag für Positionen, das Magazin der deutschen Versicherer. mehr