Smart Konsolidieren in der Eurozone Image
Quelle: sauletas – Fotolia

Der Streit, ob die Krisenländer sich totsparen, schwelt weiter. Denn die frühzeitigen, starken fiskalischen Sparmaßnahmen führten dort diesmal nicht dazu, dass die Staaten am Markt wieder deutlich niedrigere Zinsen zahlen mussten und die Wirtschaft dadurch trotz der Bremseffekte der Konsolidierung Fahrt aufnahm.

Warum dieser Mechanismus außer Kraft gesetzt wurde, hat das IW Köln in einer Studie für das Centre for European Studies in Brüssel untersucht, die hier auf Deutsch zusammengefasst ist. Die Studie zeigt, dass neben den Schuldenproblemen in den betroffenen Ländern auch deren Wettbewerbsfähigkeit in eine tiefe Krise geriet und massiv Kapital abgezogen wurde. Deshalb wurde es nichts mit den erhofften Zinssenkungen. Erschwerend kam hinzu, dass der Export weniger Schwung bringen konnte, weil der Welthandel lahmte und einige Länder der Eurozone nicht einfach ihre Währung abwerten konnten.

Die Konsequenz aus den Studien-Ergebnissen, sagen die IW-Experten, dürfe jedoch nicht sein, den Sparkurs aufzugeben oder gar neue Konjunkturpakete zu schnüren. Dazu seien die Schulden in vielen Euroländern zu hoch. Vielmehr komme es auf die richtige Dosierung der Sparanstrengungen in einer Rezession an. Die Entscheider in Brüssel tun deshalb laut IW Köln gut daran, vor allem auf konjunkturbereinigte öffentliche Budgetsalden zu schauen. Denn wenn hier ausreichende Fortschritte zu verzeichnen sind, ist es durchaus legitim, die Fristen zu verlängern, innerhalb derer EU-Länder wieder unterhalb der Drei-Prozent-Defizitgrenze liegen müssen.

Die IW-Studie bewertet darüber hinaus zahlreiche einzelne Konsolidierungsmaßnahmen mit Blick auf ihre Erfolgsaussichten, auf ihre Auswirkungen auf das lang- und kurzfristige Wachstum sowie auf die soziale Gerechtigkeit. Rentenreformen schneiden demnach besonders gut ab: Sie entlasten – vor allem langfristig – den Staatshaushalt und sorgen für niedrigere Kreditzinsen für den Staat, wenn der Kapitalmarkt die Reformanstrengungen honoriert. Zudem sinken durch zukunftsfähige Rentenreformen in der Regel die Sozialabgaben und damit die Arbeitskosten. Darüber hinaus werden intergenerationelle Ungerechtigkeiten reduziert.

IW policy paper

Galina Kolev / Jürgen Matthes: Smart Fiscal Consolidation – Wie Konsolidierung gelingen und möglichst wachstumsfreundlich sein kann

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

IW-Analyse, 22. Dezember 2016

Jürgen Matthes / Anna Iara / Berthold Busch Die Zukunft der Europäischen WährungsunionArrow

Diese IW-Analyse untersucht, welche institutionelle Architektur nötig ist, um den Euroraum dauerhaft zu stabilisieren. In der öffentlichen Debatte wird zunehmend behauptet, die Krise habe gezeigt, dass die Europäische Währungsunion (EWU) ohne mehr fiskalische Integration nicht zukunftsfähig sei. mehr

IW-Report
IW-Report, 19. Dezember 2016

Tobias Hentze Versorgungsfonds des Landes Schleswig-HolsteinArrow

Die Errichtung des „Versorgungsfonds des Landes Schleswig-Holstein“ zum 1. Januar 2018 und die Konzentration auf eine einzige unterstützende Finanzierungsquelle für die Versorgungslasten ist ein sinnvoller Schritt. Stellungnahme zur schriftlichen Anhörung des Finanzausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtags zum Gesetzentwurf der Landesregierung zur Errichtung eines Versorgungsfonds. mehr

Italiens Banken nach Referendum
IW-Nachricht, 5. Dezember 2016

Italien Unsicherheit kann Banken destabilisierenArrow

Die Banca Monte die Pasci di Siena, die drittgrößte Bank Italiens, muss bis zum Ende dieses Jahres einen Großteil ihrer Problemkredite ab- und Eigenkapital aufbauen. Der Ausgang des Referendums macht die Erfüllung dieser EZB-Auflage schwieriger. Andere italienische Banken stehen vor ähnlichen Problemen. mehr