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In diesem streikintensiven Jahr laufen derzeit vier Schlichtungen, bei der Deutschen Lufthansa sogar gleich zwei parallel: mit den Piloten und mit dem Kabinenpersonal. Auch bei der Deutschen Bahn wird zwischen Lokführergewerkschaft und Unternehmen geschlichtet. Und am 10. Juni beginnt nach vier Streikwochen die Schlichtung im Sozial- und Erziehungsdienst. Dabei suchen die Tarifparteien ein oder zwei neutrale Dritte, die vermitteln und einen Kompromissvorschlag erarbeiten, den „Schlichterspruch“.

Schlichtungen sind in vielen Branchen ein fester Bestandteil des Konfliktmanagements. In den letzten fünfzehn Jahren gab es allein im Luftverkehr, im Schienenverkehr und im Baugewerbe jeweils sechs Schlichtungsverfahren, im Öffentlichen Dienst vier. Schaut man auf das Ergebnis, zeigt sich: Schlichtungen sind oft erfolgreich. In 23 von 31 untersuchten Schlichtungen stimmten die zuvor zerstrittenen Tarifparteien dem Schlichtungsvorschlag zu und der Konflikt wurde beigelegt. Im Öffentlichen Dienst wurde das Schlichtungsergebnis sowohl 2002 als auch 2008 abgelehnt. Doch bevor die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ihre Streikpläne umsetzte, schafften die Tarifparteien in letzter Sekunde noch eine bilaterale Verständigung. Die Erfahrungen zeigen: Die Schlichtung ist ein probates Mittel, um Streiks zu vermeiden. Alle Tarifparteien wären daher gut beraten, Schlichtungsabkommen zu vereinbaren. Dann würde sich auch die Diskussion über eine staatliche Zwangsschlichtung erübrigen.

Erfolgreiches Krisenmanagement

Anzahl der abgeschlossenen Schlichtungen seit Januar 2000

Auswertung von insgesamt 13 Branchen; Schienenverkehr: Deutsche Bahn (2000 bis 2015) und Privatbahnen des Schienen-Personen-Nahverkehrs (2010 bis 2012); Luftverkehr: Deutsche Lufthansa; keine Schlichtungen gab es in der Chemischen Industrie, in der Druckindustrie, in der Metall- und Elektro-Industrie, im Einzelhandel (NRW), bei der Deutschen Post, im Bankgewerbe und in Krankenhäusern (VKA-Bereich und TdL); Quelle: IW-Tarifdatenbank

Ansprechpartner

Ruf nach Regulierung
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Crowdworking Ruf nach RegulierungArrow

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Dialogs „Arbeit 4.0“ werden gegen Ende dieses Jahres Vorschläge präsentiert, wie die sozialen Bedingungen und Spielregeln der zukünftigen Arbeitsgesellschaft gestaltet werden sollen. Dabei wird auch über eine Regulierung des Crowdworkings diskutiert. mehr

IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Gewerkschaften Hundert Jahre AnerkennungArrow

Im Dezember 1916 wurden die Gewerkschaften in Deutschland als Interessenvertreter der Arbeitnehmer anerkannt. Hundert Jahre später kämpfen nicht nur die deutschen Gewerkschaften gegen ihren Bedeutungsverlust. mehr

Rührei-Prinzip wird GdF zum Verhängnis
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Arbeitskampfrechtsprechung Rührei-Prinzip wird GdF zum VerhängnisArrow

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in zwei Entscheidungen vom 25.8.2015 das Arbeitskampfrecht weiterentwickelt – jeweils am Streik der Fluglotsen (1 AZR 875/13 und 1 AZR 754/13). Am 26.7.2016 ist die dritte Lotsenstreik-Entscheidung ergangen (1 AZR 160/14), mit der seit längerer Zeit einmal wieder ein Streik für rechtswidrig erkannt und hieraus eine Schadensersatzpflicht der streikenden Gewerkschaft abgeleitet worden ist. mehr