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Wie beim Lotsenstreik 2012 wird auch aktuell eine wichtige Infrastruktur lahmgelegt: Damals konnten Flugzeuge nicht landen, heute Schiffe keine Schleusen passieren. Zudem führen beide Konflikte zu negativen Drittwirkungen. Doch genau hier gibt es einen entscheidenden Unterschied: Der Streik der Vorfeldlotsen traf neben den Fluggesellschaften zahlreiche Reisewillige. Der Schleusenwärterstreik schädigt lediglich die Binnenschiffer, die im Jahr 2012 über 223 Millionen Tonnen Güter beförderten – immerhin knapp zwei Drittel der Menge, die per Zug transportiert wird.

Die Kunden der Binnenschiffer können ihren Güterverkehr – nur mit Zusatzkosten – auf die Schiene und die Straße verlagern. Damit fallen die negativen Wirkungen auf Dritte geringer aus als bei einem Flughafenstreik. Außerdem können Waren anders als Passagiere nicht klagen. Gleichwohl wirft der aktuelle Arbeitskampf die Frage nach der Verhältnismäßigkeit auf: Mit den Streiks schwächt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nämlich nicht den Verhandlungsgegner, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), sondern die Binnenschiffer.

Da die Rechtsprechung dem Schutz Dritter bei Arbeitskämpfen allerdings wenig Bedeutung einräumt – auch der Fraport-Streik 2012 wurde jüngst vom Arbeitsgericht Frankfurt als verhältnismäßig eingestuft –, können die Binnenschiffer nur auf die Vernunft der Tarifparteien hoffen. Vielleicht sollten sich diese nach einem Schlichter umschauen, damit endlich wieder verhandelt und nicht gestreikt wird.

Ansprechpartner

13. Januar 2017

ver.di Mit Streiklust gegen MitgliederschwundArrow

Fünfzehn Jahre nach der Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft fällt die Bilanz gemischt aus. Die Mitgliederzahl von ver.di ging um ein gutes Viertel zurück, die Finanzen sind wieder auf dem aufsteigenden Ast – auch dank höherer Lohnabschlüsse. mehr auf iwd.de

IW-Trends, 9. Januar 2017

Hagen Lesch Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.diArrow

Im Jahr 2001 schlossen sich fünf Gewerkschaften zur Vereinten Dienstleis­tungsgewerkschaft (ver.di) zusammen. Fünfzehn Jahre nach der Gründung fällt die ver.di-Bilanz eher gemischt aus. Die Anzahl der Mitglieder sank um 27 Prozent und die Tarifbindung ging in einzelnen Tarifbereichen spürbar zurück. mehr

Verdi im Kampfmodus
IW-Pressemitteilung, 9. Januar 2017

Gewerkschaften Verdi im KampfmodusArrow

Lufthansa, Eurowings, Amazon – das Jahr 2016 war wieder reich an Streiks. Das liegt auch an der veränderten Strategie von Verdi, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: 15 Jahre nach ihrer Gründung setzt die Dienstleistungsgewerkschaft zunehmend auf Konfrontation. mehr