Gotthard-Tunnel Image
17 Jahre haben sich die Schweizer durch den Berg gebohrt. Nun konnten sie den längsten Eisenbahntunnel der Welt eröffnen. Foto: EdStock/iStock

Die Schweizer untertunneln die Alpen, Deutschland schaut in die Röhre. Mit der Einweihung des Gotthart-Basistunnels haben die Eidgenossen das Kernstück der neuen Alpenstrecke abgeschlossen. 240 Güterzüge und 65 Personenzüge können künftig pro Tag durch den Berg fahren. Inklusive der Zulaufstrecken haben die Schweizer damit gut 24 Milliarden Euro in ein einziges Projekt investiert – das entspricht etwa 2.900 Euro für jeden Eidgenossen. Würde pro Bundesbürger eine solche Summe aufgebracht, kämen 230 Milliarden Euro zusammen. Davon sind wir hierzulande weit entfernt. Der Bund hat im Zuge des letzten Bundesverkehrswegeplans (2003 bis 2015) etwa 133 Milliarden Euro in seine Straßen, Schienen und Wasserstraßen investiert – pro Kopf nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was die Schweiz in einen Schienenkorridor gesteckt hat.

Durch die geringen Investitionen aus dem Verkehrsministerium werden auch die Zubringer nicht rechtzeitig fertig. Wenn die Alpenstrecke im Jahr 2021 einsatzbereit ist, werden die Anschlüsse in Deutschland noch fehlen. Die Strecke Karlsruhe-Basel soll erst 2030 fertig sein, andere Abschnitte sogar noch später – nicht zuletzt aufgrund struktureller Probleme bei der Planung und Genehmigung. Auch die Bevölkerung rebelliert. Gegen die Strecke Karlsruhe-Basel reichten Bürger über 170.000 Beschwerden ein. Die Folge waren weitere Verzögerungen und Neuplanungen.

Wenn Deutschland seine Infrastrukturprobleme in den Griff bekommen will, braucht das Land eine klare Vorstellung davon, was Verkehr leisten soll. Anschließend muss zielgerecht investiert und die heutige Verteilung nach Länderanteilen abgeschafft werden. Zudem müssen Planer die Bevölkerung besser einbinden, auch hier gilt es das Kirchturmdenken zu überwinden. Dies alles erfordert einen politischen Kraftakt, wie es ihn seit der Bahnreform von 1993 nicht mehr gegeben hat.

Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 24. Februar 2017

Tobias Hentze Stillstand bei den InvestitionenArrow

Obwohl Defizite in der Infrastruktur vielfach beklagt werden, steigt die öffentliche Investitionsquote nicht. Zwar gelingt es Bund und Gemeinden nach vorläufigen Daten für das Jahr 2016 den investiven Anteil an den Ausgaben zu erhöhen, doch bei den Ländern geht der Trend abwärts. mehr

Wer Weg in die Gigabit-Gesellschaft
Gutachten, 13. Februar 2017

Sebastian van Baal / Bernd Beckert / Roman Bertenrath / Manuel Fritsch / Christian Helmenstein / Anna Kleissner / Karl Lichtblau / Agnes Millack / Thomas Schleiermacher / Manfred Stadlbauer / Klaus Weyerstraß / Ralf Wiegand Der Weg in die Gigabit-GesellschaftArrow

Startpunkt der in dieser Studie unternommenen Reise zur Gigabit-Gesellschaft ist eine Standortbestimmung. Sie beginnt mit Fragen: Wo stehen wir gegenwärtig in der Digitalisierung, was ist der Status quo? Hinzu gesellen sich schnell weitere Fragen: Was ist überhaupt Digitalisierung? Wie groß ist das hierbei zu verarbeitende Datenvolumen und woher kommt dieser Datenhunger überhaupt? Was muss getan werden, um ihn zu stillen? mehr

IW-Kurzbericht, 26. Januar 2017

Galina Kolev / Thomas Puls Trumponomics und die deutsche AutoindustrieArrow

Die deutsche Wirtschaft blickt der Amtszeit des neuen US-Präsidenten Donald Trump mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Vorteile für die deutsche Wirtschaft, die aus den geplanten Steuersenkungen und dem Infrastrukturprogramm zu erwarten sind, dürften bei weitem durch die Gefahren überschattet werden, sollte seine handelspolitische Strategie umgesetzt werden und zu einer Trendwende bei der globalen Handelspolitik führen. Ein sich global ausbreitender Protektionismus wäre Gift für das deutsche Exportmodell. Für die Autoindustrie bestehen da besondere Risiken. mehr