Rentenversicherung Image
Quelle: Fotolia

Das Geschäftsjahr 2012 beschließt die Gesetzliche Rentenversicherung mit einer Rücklage von 29,4 Milliarden Euro – damit könnte die Rentenkasse rund 1,7 Monatsausgaben bestreiten. Angesichts dieser Reserve juckt es manchem Sozialpolitiker in den Fingern, über eine Aufstockung von Rentenansprüchen zu verhandeln. Doch Wahlgeschenke sind völlig fehl am Platz. Denn die Politik hat auf die Milliarden-Reserven bereits reagiert, indem sie den Beitragssatz von 19,6 auf 18,9 Prozent des Bruttolohns gesenkt hat.

Das geschah allerdings nicht ganz freiwillig: Die sogenannte gesetzliche Nachhaltigkeitsrücklage soll helfen, konjunkturelle Einnahmeschwankungen in der Rentenversicherung auszugleichen. Die Obergrenze der Rücklage liegt bei 1,5 Monatsausgaben – aktuell wären das 26,1 Milliarden Euro. Es sind also 3,3 Milliarden Euro zu viel in der Rücklage. Durch die Senkung des Beitragssatzes wird sich das bis zum Jahresende nun ändern.

Statt Wahlgeschenken ist indes etwas anderes eine Überlegung wert: Die Mindestanforderung an die Nachhaltigkeitsrücklage – sie liegt derzeit bei 0,2 Monatsausgaben – könnte angehoben werden. Der Zeitpunkt dafür ist günstig, denn eine Erhöhung täte niemandem weh und sie würde helfen, die Zahlungsfähigkeit der Rentenkasse auch in konjunkturell angespannten Zeiten zu bewahren. Indirekt kann damit zudem die Rentenpolitik diszipliniert werden. Denn je weniger Rücklagen abgeschmolzen werden können, desto eher münden leichtsinnige Leistungsversprechen in Beitragssatzerhöhungen – und die kosten nicht nur Geld, sondern möglicherweise auch Wählerstimmen.

Veranstaltung
Veranstaltung, 10. November 2016

Berliner Gespräche Herbsttagung 2016 Reform der Alterssicherung im demografischen Wandel – Aufgaben für die nächste LegislaturperiodeArrow

Das Jahr 2017 steht im Zeichen der Bundestagswahl, deren Ausgang auch für die Alterssicherung richtungsweisend sein kann. Denn die nächste Legislaturperiode wird die letzte sein, bevor die Baby-Boomer nach und nach in den Ruhestand wechseln. Noch besteht die Möglichkeit, den Ausgleich zwischen den Generationen zu tarieren, doch es ist Eile geboten. mehr

Nach heutigen Werten arbeiten wir 2041 eigentlich bis 73
Gastbeitrag, 14. September 2016

Susanna Kochskämper auf xing.com Nach heutigen Werten arbeiten wir 2041 eigentlich bis 73Arrow

Immer mehr Rentner stehen immer weniger Beitragszahlern gegenüber. Die Bundesregierung kann mithilfe von drei Stellschrauben eingreifen. Das Renteneintrittsalter anzuheben sollte in der Debatte kein Tabu sein. Ein Gastbeitrag von IW-Sozialökonomin Susanna Kochskämper im sozialen Netzwerk Xing. mehr

Ein einheitliches Rentenrecht für Ost und West
IW-Kurzbericht, 9. September 2016

Susanna Kochskämper Ein einheitliches Rentenrecht für Ost und WestArrow

Mehr als 25 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das deutsche Rentenrecht immer noch geteilt. Die gesetzlichen Renten werden für Ost- und Westdeutschland unterschiedlich berechnet. Doch die ursprüngliche Begründung der um ein Vielfaches niedrigeren Löhne im Osten kann heute nicht mehr überzeugen. mehr