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Trotz stockender Konjunktur läuft die Rentenkasse über. Vor allem dank der günstigen Beschäftigungslage hortet die Gesetzliche Rentenversicherung derzeit Rücklagen in Höhe von fast 34 Milliarden Euro – einiges mehr als die erlaubten anderthalb Monatsausgaben. Angesichts der guten Finanzlage zeigt sich Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zumindest nicht abgeneigt, den Beitragssatz im Jahr 2015 um 0,3 Prozentpunkte auf dann 18,6 Prozent zu senken. Bereits Anfang dieses Jahres hatten die Rücklagen die gesetzliche Obergrenze übertroffen, und eine Beitragssatzsenkung um 0,6 Punkte auf 18,3 Prozent wäre möglich gewesen. Doch statt die Beitragszahler zu entlasten, sorgte die Bundesregierung mit der „Rente mit 63“ und der Aufstockung der „Mütterrente“ für zusätzliche Ausgaben.

Die nun wieder denkbare Beitragssenkung stößt aber auf Kritik. Der rentenpolitische Sprecher der Grünen, Markus Kurth, mahnte, der Beitragssatz dürfe angesichts der künftigen Aufgaben nicht leichtfertig gesenkt werden. Doch die im Umlageverfahren organisierte gesetzliche Alterssicherung hat aus gutem Grund kein Mandat zur Kapitalbildung. Niemand kann garantieren, dass die Rücklagen genutzt werden, um die Beitragszahler der Zukunft zu entlasten – und nicht etwa für Leistungsverbesserungen. Deshalb wäre es konsequent, den Beitragssatz heute zu senken. Damit entstünde bei den Arbeitnehmern neuer Spielraum für die ergänzende, private Vorsorge. Diese ist sicher vor sozialpolitisch motivierten Eingriffen, unterliegt einer strengen Finanzaufsicht und wird in bestimmten Fällen sogar vom Staat gefördert.

Ansprechpartner

Interview, 25. November 2016

Jochen Pimpertz im Deutschlandfunk "Gut, dass die Koalition sich nicht darauf hat einigen können"Arrow

Arbeitsministerin Andrea Nahles habe mit ihrem Wunsch, das Rentenniveau anzuheben und dafür einen höheren Beitragssatz einzufordern, Lasten verschoben, sagte Jochen Pimpertz im Deutschlandfunk. Und zwar "einseitig auf die jungen Beitragszahler", so der Rentenexperte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Dies sei "eine grundlegend falsche Entscheidung". mehr

Zukunft der Altersversorgung
IW-Nachricht, 25. November 2016

Zukunft der Altersversorgung Der Renten-Wahlkampf ist eröffnetArrow

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plädiert für ein Mindestrentenniveau von 46 Prozent auch nach dem Jahr 2030. Das wird nur mit höheren Belastungen der nachfolgenden Generationen möglich sein. Den Nachweis, warum die bisherige doppelte Haltelinie nicht reicht, bleibt die Ministerin schuldig. mehr

Rentengipfel
IW-Nachricht, 24. November 2016

Rentengipfel Weitblick statt AktionismusArrow

Wenn die Große Koalition um einen Rentenkompromiss streitet, geht es nicht nur um einen Interessenausgleich zwischen gut und gering verdienenden Arbeitnehmern sowie Menschen mit niedrigen oder hohen Renten. Es geht eigentlich auch um die Interessen der jungen Beitragszahler und Kinder – doch die werden häufig nicht berücksichtigt. mehr