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Die IG Metall fordert ein höheres Rentenniveau und vergisst dabei den demografischen Wandel. Quelle: Mumpitz1641559@fotolia Fotolia

Die gesetzliche Rentenversicherung sichere auch Personen mit einer durchgängigen Erwerbsbiographie nicht mehr den Lebensstandard, Menschen mit Erwerbslücken würden der Altersarmut ausgeliefert – zusammengefasst lautet so die Begründung der Gewerkschaft IG Metall, mit der sie immer wieder eine Abkehr vom Rentenreformkurs fordert. Ihr schwebt vor, das Rentenniveau nicht weiter abzusenken. Doch die Argumentation hinkt – und das aus mehreren Gründen:

  • Der Gesetzgeber ist mit den Rentenreformen unter der Agenda 2010 schon vor über einem Jahrzehnt von der Vorstellung abgerückt, die gesetzliche Rente allein könne den Lebensstandard im Alter sichern. Genau deshalb wurden ja die Riester-Förderung und Verbesserungen der betrieblichen Altersvorsorge eingeführt. Mithilfe dieser beiden Säulen sollen die Arbeitnehmer jene Lücken schließen können, die das notwendige Absenken des gesetzlichen Versorgungsniveaus hinterlässt. Dass dies selbst bei unterbrochenen Erwerbsbiografien gelingt, belegt die Bundesregierung in ihrem Alterssicherungsbericht.
  • Der Begriff der „Lebensstandardsicherung“ suggeriert, dass die gesetzliche Rente vor Armutsrisiken schützt. Das kann sie aber nicht garantieren – weder heute noch im Fall eines höheren Rentenniveaus. Denn sie wird beitragsbezogen errechnet, das heißt, wer beispielsweise ein Leben lang in Teilzeit arbeitet, kann im Alter (bei gleichem Stundenverdienst wie ein Vollzeit-Arbeitnehmer) auch nur mit einer relativ niedrigen gesetzlichen Rente rechnen.
  • Auch in Sachen Alterssicherung setzen viele Haushalte auf gemeinsame Vorsorge. Weil dann aber nicht nur der eigene gesetzliche Rentenanspruch zählt, sondern auch die Versorgung des Partners und das gemeinsame Vermögen, beanspruchen lediglich 3 Prozent der über 65-Jährigen Grundsicherungsleistungen im Alter – im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung sind es 9,1 Prozent.
  • Außerdem führt der Blick auf das Rentenniveau in die Irre. Das wird nämlich für einen Modellfall errechnet – den Eckrentner mit 45 Beitragsjahren und jeweils durchschnittlichen Verdiensten. Tatsächlich weisen westdeutsche Männer aktuell aber 40 Beitragsjahre auf. Ein lebenslang durchschnittlich verdienender Arbeitnehmer käme damit aktuell auf knapp 1.170 Euro pro Monat. Durchschnittlich bedeutet aber: im Durchschnitt aller Teilzeit- und Vollzeitarbeitskräfte. Wer lebenslang überwiegend in Vollzeit gearbeitet hat, erreicht eine deutlich höhere gesetzliche Rente. Und weil mit dem Anheben der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre künftig auch länger Beiträge gezahlt werden, kann das Absinken des modellhaft berechneten Niveaus zumindest in Teilen ausgeglichen werden. So erhöhen zwei zusätzliche Beitragsjahre die Rente eines westdeutschen Durchschnittsverdieners aktuell immerhin um mehr als 58 Euro pro Monat.

Die IG Metall macht die Rechnung ohne die demografische Entwicklung und damit ohne die Beitragszahler auf. Denn wenn das Bruttorentenniveau nicht wie geplant bis zum Jahr 2030 weiter sinkt, droht ein zusätzlicher Anstieg des Beitragssatzes – auf weit über 22 Prozent.

iwd

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