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Rentenversicherung Quelle: contrastwerkstatt – Fotolia

Nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf können langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren demnächst mit 63 Jahren abschlagfrei in den Ruhestand gehen. Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld I sollen dabei angerechnet werden. Besonders schlaue Oberstrategen wittern nun Gefahr: Arbeitgeber könnten auf die Idee verfallen, ihren älteren Mitarbeiter nach dem 61. Geburtstag zu kündigen. Die würden dann bis zur Vollendung des 63. Lebensjahres auf Kosten der Bundesagentur für Arbeit versorgt, um danach abschlagfrei in den Vorruhestand zu wechseln.

Ein solches Kalkül zu unterstellen, zeugt von wenig ökonomischen Sachverstand. Denn in Zeiten drohender Fachkräfteengpässe haben die Unternehmen wohl kaum ein Interesse daran, gut ausgebildete und erfahrene Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand zu schicken. Das Gegenteil ist der Fall, wie der weit überdurchschnittliche Zuwachs der Erwerbstätigen in der Altersgruppe 55plus seit 2005 dokumentiert.

Umgekehrt wird aber ein Schuh draus: Wenn die geplante Reform den erfahrenen Facharbeitern den Weg zu einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben ebnet, kann das eine empfindliche Lücke in die Belegschaft der Unternehmen reißen. Statt die Arbeitgeber aufs Korn zu nehmen, sollte die Bundesministerin für Arbeit und Soziales deshalb eher den falschen Anreiz zur Frühverrentung korrigieren.

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Interview, 25. November 2016

Jochen Pimpertz im Deutschlandfunk "Gut, dass die Koalition sich nicht darauf hat einigen können"Arrow

Arbeitsministerin Andrea Nahles habe mit ihrem Wunsch, das Rentenniveau anzuheben und dafür einen höheren Beitragssatz einzufordern, Lasten verschoben, sagte Jochen Pimpertz im Deutschlandfunk. Und zwar "einseitig auf die jungen Beitragszahler", so der Rentenexperte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Dies sei "eine grundlegend falsche Entscheidung". mehr

Zukunft der Altersversorgung
IW-Nachricht, 25. November 2016

Zukunft der Altersversorgung Der Renten-Wahlkampf ist eröffnetArrow

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plädiert für ein Mindestrentenniveau von 46 Prozent auch nach dem Jahr 2030. Das wird nur mit höheren Belastungen der nachfolgenden Generationen möglich sein. Den Nachweis, warum die bisherige doppelte Haltelinie nicht reicht, bleibt die Ministerin schuldig. mehr

Rentengipfel
IW-Nachricht, 24. November 2016

Rentengipfel Weitblick statt AktionismusArrow

Wenn die Große Koalition um einen Rentenkompromiss streitet, geht es nicht nur um einen Interessenausgleich zwischen gut und gering verdienenden Arbeitnehmern sowie Menschen mit niedrigen oder hohen Renten. Es geht eigentlich auch um die Interessen der jungen Beitragszahler und Kinder – doch die werden häufig nicht berücksichtigt. mehr