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Die Nachhaltigkeitsreserve der Rentenversicherung ist für den Ausgleich saisonaler und konjunktureller Einnahmeschwankungen vorgesehen. Sie soll mindestens ein Fünftel, aber nicht mehr als das 1,5-Fache einer Monatsausgabe der Rentenversicherung betragen – mehr erlaubt der Gesetzgeber nicht. Bei einem unveränderten Beitragssatz wird sie im nächsten Jahr aber deutlich über dieser Obergrenze liegen. Für diesen Fall schreibt das Gesetz eigentlich vor, dass der Beitragssatz gesenkt werden muss. Die Experten der Gesetzlichen Rentenversicherung haben errechnet, dass ein Beitragssatz von 18,3 Prozent ab Januar ausreicht, um unter der Obergrenze zu bleiben.

Doch die Große Koalition möchte ihre Wahlversprechen, wie zusätzliche Mütterrente und abschlagfreie Frühverrentung für langjährig Versicherte, einlösen – und das kostet. Statt die Beitragszahler um rund 6 Milliarden Euro und den Bund um weitere gut 1,5 Milliarden Euro zu entlasten, wie es mit einer Beitragssenkung auf 18,3 Prozent geschehen würde, soll der Beitragssatz für das nächste Jahr auf 18,9 Prozent festgeschrieben werden.

Doch zusätzliche Ausgaben belasten die Beitragszahler: Den Arbeitnehmern und Arbeitgebern wird zunächst eine fällige Entlastung vorenthalten. Zusätzliche Leistungsversprechen führen dann langfristig sogar zu einem höheren Beitragssatz. Denn die neuen Rentenleistungen werden wohl kaum wieder zurückgenommen, wenn die Rücklagen der Rentenkasse aufgezehrt sind.

Ansprechpartner

Interview, 25. November 2016

Jochen Pimpertz im Deutschlandfunk "Gut, dass die Koalition sich nicht darauf hat einigen können"Arrow

Arbeitsministerin Andrea Nahles habe mit ihrem Wunsch, das Rentenniveau anzuheben und dafür einen höheren Beitragssatz einzufordern, Lasten verschoben, sagte Jochen Pimpertz im Deutschlandfunk. Und zwar "einseitig auf die jungen Beitragszahler", so der Rentenexperte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Dies sei "eine grundlegend falsche Entscheidung". mehr

Zukunft der Altersversorgung
IW-Nachricht, 25. November 2016

Zukunft der Altersversorgung Der Renten-Wahlkampf ist eröffnetArrow

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plädiert für ein Mindestrentenniveau von 46 Prozent auch nach dem Jahr 2030. Das wird nur mit höheren Belastungen der nachfolgenden Generationen möglich sein. Den Nachweis, warum die bisherige doppelte Haltelinie nicht reicht, bleibt die Ministerin schuldig. mehr

Rentengipfel
IW-Nachricht, 24. November 2016

Rentengipfel Weitblick statt AktionismusArrow

Wenn die Große Koalition um einen Rentenkompromiss streitet, geht es nicht nur um einen Interessenausgleich zwischen gut und gering verdienenden Arbeitnehmern sowie Menschen mit niedrigen oder hohen Renten. Es geht eigentlich auch um die Interessen der jungen Beitragszahler und Kinder – doch die werden häufig nicht berücksichtigt. mehr