Rentenangleichung in West und Ost Image
Im Westen erhalten die Menschen über 100 Euro mehr Rente als im Osten. Foto: RelaxFoto.de/iStock

Wieder einmal wird eine Angleichung der Ostrenten an das westdeutsche Rentenrecht gefordert. In der Tat wirkt die Unterscheidung in West und Ost 25 Jahre nach der Wiedervereinigung befremdlich. Doch so offenkundig die Ungleichbehandlung auch ist, sie zu beseitigen, ist alles andere als trivial.

Der aktuelle Rentenwert liegt in den alten Bundesländern mit 29,21 Euro derzeit fast zwei Euro über dem ostdeutschen Pendant von 27,05 Euro. Neben den persönlichen Entgeltpunkten, die die Menschen im Laufe ihres Lebens durch Beitragszahlungen und Kindererziehung sammeln, entscheidet eben dieser aktuelle Rentenwert über die Höhe der monatlichen Rente. Der Modell-Rentner mit 45 Beitragsjahren und durchschnittlichem Verdienst kommt mit Erreichen der Regelaltersgrenze so auf 45 Entgeltpunkte. Seine Altersrente beträgt damit das 45-Fache des aktuellen Rentenwerts. Im ostdeutschen Meißen sind das aktuell 1.207,05 Euro pro Monat, in Essen-Kettwig dagegen 1.314,45 Euro.

Ist diese Ungleichheit auch ungerecht? Nicht wirklich. Denn nicht alle Menschen haben denselben Durchschnittsverdienst, im Osten sind die Löhne niedriger als im Westen. Deswegen wird auch die Beitragszahlung in den neuen Bundesländern höher bewertet, Arbeitnehmer erhalten hier für die gleiche Leistung mehr Entgeltpunkte. Ein ostdeutscher Arbeitnehmer, der mehr als im ostdeutschen aber weniger als im westdeutschen Durchschnitt verdient, kann deshalb mehr als einen Entgeltpunkt für seine in diesem Jahr gezahlten Beiträge erzielen.

Deshalb gilt: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wer den Rentenwert Ost anheben möchte, muss auf eine Hochwertung ostdeutscher Verdienste verzichten. Ansonsten würde das System in eine Schieflage geraten, weil zusätzliche Ansprüche entstünden, die nicht gegenfinanziert wären. Die ostdeutschen Arbeitnehmer und Rentner würden dann zu Lasten der westdeutschen Kollegen profitieren.

Ansprechpartner

Regionale Armut
IW-Pressemitteilung, 5. Dezember 2016

Regionale Armut Auf die Preise kommt es anArrow

Der Westen Deutschlands ist reich, der Osten arm – so pauschal läuft häufig die Armutsdebatte. Tatsächlich aber stehen vor allem westdeutsche Städte schlecht da, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie. Die Politik könnte gegensteuern. mehr

5. Dezember 2016

Regionale Armut Städte machen armArrow

Die unterschiedlichen Preisniveaus führen dazu, dass in den deutschen Städten ein deutlich höherer Anteil der Einwohner armutsgefährdet ist als auf dem Land. Die Politik ist daher gefordert, die regionale Förderung neu auszurichten. mehr auf iwd.de

Mit einer neuen Regionalpolitik gegen Armut
Presseveranstaltung, 5. Dezember 2016

Pressekonferenz Mit einer neuen Regionalpolitik gegen ArmutArrow

Wenn es um Armut in Deutschland geht, werden in der öffentlichen Diskussion nicht selten pauschale oder fehlerhafte Argumente genutzt. So gilt häufig der Osten Deutschlands als arm, der Westen hingegen eher als reich. Doch so einfach ist es nicht. mehr