Pilotenstreik Image
Quelle: whitelook – Fotolia

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat vergangenes Jahr ein Konzept vorgelegt, mit dem die Konfliktintensität von Tarifverhandlungen gemessen werden kann. In die Bewertung des Tarifkonflikts fließt dabei nicht nur ein, ob es zu Streiks kommt. Berücksichtigt werden vielmehr auch andere Konflikthandlungen wie Streikdrohungen oder Verhandlungsabbrüche. So wird einerseits das Verhandlungsklima besser abgebildet. Andererseits wird der Tatsache Rechnung getragen, dass sich Konflikte lange hinziehen können, wodurch Unternehmen immer wieder mit Störungen des Produktionsablaufs rechnen müssen.

Eine Bewertung des laufenden Pilotenkonfliktes anhand des Konzepts zeigt: Die Auseinandersetzung kommt schon jetzt auf 44 Konfliktpunkte – das ist ein Spitzenwert. Denn in der Luftfahrt gab es 2001 mit 58 Punkten und 2008 mit 50 Punkten nur zwei Tarifverhandlungen, die noch mehr eskalierten (siehe Tabelle). Den absoluten Spitzenwert hält indes seit 2012 die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL): Beim Arbeitskampf mit den Privatbahnen summierten sich die verschiedenen Eskalationsstufen der 22-monatigen Tarifauseinandersetzung auf 159 Punkte.

Die größten Tarifkonflikte seit 2001
Die Konfliktintensität misst anhand einer Eskalationspyramide, wie konfliktintensiv eine Tarifauseinandersetzung verläuft. Dabei werden bei Erreichen bestimmter Eskalationsstufen Maluspunkte vergeben: Streikdrohung/Aussperrungsdrohung = 1 Punkt; Abbruch der Verhandlungen = 2 Punkte; Streikaufruf = 3 Punkte; Warnstreik = 4 Punkte; Scheitern und Schlichtung sowie Juristische Auseinandersetzungen = 5 Punkte; Scheitern und Urabstimmung oder Scheitern und Streikankündigung = 6 Punkte; Streik und Aussperrung = 7 Punkte. Treten die einzelnen Merkmale im Verlauf einer Tarifauseinandersetzung mehrfach auf, werden diese kumuliert.
Gewerkschaft Zeitraum Branche/Unternehmen Konliktintensität in Punkten
GDL 2010-12 Privatbahnen 159
Tarifgemeinschaft aus ver.di/DBB/GEW 2004-06 Öffentlicher Dienst (Länder) 77
GDL 2007-08 Deutsche Bahn 75
Marburger Bund 2005-06 Kommunale Krankenhäuser 73
GdF 2008-09 Flughafen Stuttgart 62
GdF 2011-12 Flughafen Frankfurt 59
Vereinigung Cockpit 2001 Lufthansa 58
Marburger Bund 2005-06 Universitätskliniken 58
IG Metall 2002 M+E-Industrie 53
ver.di 2008 Lufthansa 50
Vereinigung Cockpit 2012-14 Lufthansa 44
Quelle: IW Köln; Untersuchungsbasis: 130 Tarifkonflikte zwischen 2000 bis 2014

Ansprechpartner

13. Januar 2017

ver.di Mit Streiklust gegen MitgliederschwundArrow

Fünfzehn Jahre nach der Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft fällt die Bilanz gemischt aus. Die Mitgliederzahl von ver.di ging um ein gutes Viertel zurück, die Finanzen sind wieder auf dem aufsteigenden Ast – auch dank höherer Lohnabschlüsse. mehr auf iwd.de

IW-Trends, 9. Januar 2017

Hagen Lesch Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.diArrow

Im Jahr 2001 schlossen sich fünf Gewerkschaften zur Vereinten Dienstleis­tungsgewerkschaft (ver.di) zusammen. Fünfzehn Jahre nach der Gründung fällt die ver.di-Bilanz eher gemischt aus. Die Anzahl der Mitglieder sank um 27 Prozent und die Tarifbindung ging in einzelnen Tarifbereichen spürbar zurück. mehr

Verdi im Kampfmodus
IW-Pressemitteilung, 9. Januar 2017

Gewerkschaften Verdi im KampfmodusArrow

Lufthansa, Eurowings, Amazon – das Jahr 2016 war wieder reich an Streiks. Das liegt auch an der veränderten Strategie von Verdi, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: 15 Jahre nach ihrer Gründung setzt die Dienstleistungsgewerkschaft zunehmend auf Konfrontation. mehr