Öffentliche Verschuldung Image
Quelle: Peter Atkins - Fotolia

Um gut 4 Milliarden Euro sind die Schulden 2014 angestiegen. Das ist ein Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei hätte die Verschuldung dank steigender Steuereinnahmen und sinkender Zinsausgaben voraussichtlich um mehr als 20 Milliarden Euro abgebaut werden können. Tatsächlich haben aber nur 9 der 16 Bundesländer Schulden getilgt. Die Neuverschuldung der übrigen 7 Länder war so hoch, dass die Länder 2014 mit insgesamt 3 Milliarden Euro mehr in der Kreide stehen als noch 2013. Auch der Bund hat seine Schulden um gut eine Milliarde Euro erhöht.

Am stärksten hat die Verschuldung in Nordrhein-Westfalen mit 2,8 Milliarden Euro zugenommen. Den größten Rückgang gab es mit 1,3 Milliarden Euro in Bayern. Beim Pro-Kopf-Schuldenabbau liegt Berlin vorne: Die Verschuldung wurde dort um 336 Euro reduziert, gefolgt von Bremen mit 276 Euro (Grafik). Weil das Land so klein ist, reicht dort ein Rückgang der Schulden um 97 Millionen Euro für den zweiten Platz. Am stärksten gestiegen sind die Schulden je Einwohner im Saarland mit 247 Euro.

Beim Blick auf die Deutschlandkarte ergibt sich zudem ein deutliches Ost-West-Gefälle. Von den neuen Bundesländern hat nur Sachsen-Anhalt seinen Schuldenstand erhöht. Alle anderen haben Schulden abgebaut und dies zum Teil in erheblichem Maße. Sachsen und Brandenburg führen das Ranking der Flächenländer beim Schuldenabbau je Einwohner klar an. Sachsen hat mit fast 900 Millionen Euro sogar den zweithöchsten Rückgang der absoluten Schulden, obwohl es ein eher kleines Bundesland ist. Diese Entwicklung ist einerseits vorbildlich, andererseits aber auch notwendig – bis 2019 laufen die Zahlungen aus dem Solidarpakt II an die neuen Länder aus.

Fazit: Ein Schuldenabbau ist möglich. Es bedarf aber eines ausgeprägten politischen Willens, der nicht überall vorhanden ist. Wenn die äußeren Rahmenbedingungen es erfordern, ist die Politik aber durchaus handlungsbereit. Vor diesem Hintergrund ist die Schuldenbremse eindeutig zu begrüßen.

Sachsen ist vorbildlich, Bremen bemüht

Länderschulden in Euro je Einwohner

Gutachten, 24. November 2016

Dr. Tobias Hentze / Barbara Engels / Axel Plünnecke / Thomas Puls / Klaus-Heiner Röhl Die wirtschaftliche Situation Nordrhein-Westfalens – Bestandsaufnahme und HandlungsempfehlungenArrow

Die aktuelle Lage Nordrhein-Westfalens ist ernüchternd: Eine über Jahre betrachtet schwache wirtschaftliche Dynamik, eine höhere Arbeitslosigkeit als jedes andere westdeutsche Flächenland und der mit Abstand höchste Schuldenberg aller Bundesländer illustrieren den Handlungsdruck für die Politik. mehr

IW-Report
IW-Report, 30. September 2016

Tobias Hentze Stellungnahme zum Haushaltsplan 2017 des Landes Nordrhein-WestfalenArrow

Solide Staatsfinanzen sind eine wichtige Voraussetzung, um Spielräume für zukunftsorientierte Investitionen zu schaffen oder um auf außergewöhnliche Aufgaben wie die derzeitige Flüchtlingsintegration vorbereitet zu sein. Der Weg bis zum ausgeglichenen Haushalt ist aber noch weit. mehr

Stabilitäts- und Wachstumspakt
IW-Nachricht, 13. September 2016

Stabilitäts- und Wachstumspakt Regeln ernst nehmenArrow

Wenn EU-Kommissionspräsident Juncker morgen seine jährliche Ansprache zur Lage der Union hält, wird er sich wahrscheinlich erneut für mehr Flexibilität bei den europäischen Fiskalregeln einsetzen – und so Forderungen südeuropäischer Staaten nachgeben. Doch damit würde Juncker das Image der EU weiter beschädigen. mehr