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Der Breitbandausbau in Deutschland – vor allem im ländlichen Raum – stockt. Foto: Alex Tihonov/Fotolia

In der vergangenen Woche gab es zum Thema Digitalisierung schlechte Nachrichten: Laut „Monitoring-Report Wirtschaft Digital 2015“, herausgegeben vom Bundeswirtschaftsministerium, schreitet diese in Deutschland zu langsam voran. Unter den zehn stärksten digitalen Wirtschaftsmächten rutschte Deutschland hinter China auf Rang 6 zurück. Unternehmen und Bürger nutzen digitale Produkte und Dienste nur zurückhaltend, vor allem in kleineren und mittleren Betrieben gibt es Nachholbedarf, so die Forscher. Das klingt so gar nicht nach starkem Mittelstand.

An mangelnder Diskussion über die Digitalisierung kann das schlechte Abschneiden Deutschlands jedenfalls nicht liegen, im Gegenteil: Es wird zu viel diskutiert. Konkrete Handlungsempfehlungen bleiben die Ausnahme, stattdessen werden immer mehr Arbeitskreise und Initiativen gegründet, deren Entscheidungsprozesse gar nicht mit dem Tempo der Digitalisierung Schritt halten können. Die Teilnehmer des vorherigen Nationalen IT-Gipfels hatten bereits jede Menge neuer Initiativen vorgeschlagen und die meisten sind im Laufe der vergangenen zwölf Monate tatsächlich gestartet worden – aber darüber hinaus ist oft nichts passiert.

Dafür, dass sich in Deutschland so wenig bewegt, gibt es allerdings konkrete Gründe:

  • Es ist immer noch nicht gelungen, einheitliche gesetzliche Grundlagen zu schaffen, in deren Rahmen sich die Digitalisierung bewegen soll. Berlin bleibt nichts anderes übrig, als nach Brüssel zu schauen, wo immer noch der EU-weite digitale Binnenmarkt ausgehandelt wird. Brüssel muss sich deshalb endlich über dessen Grundzüge einigen, damit die Regierungen und Unternehmen in den einzelnen Ländern Handlungssicherheit haben.
  • Der Breitbandausbau vor allem im ländlichen Raum stockt. Wo die technischen Grundlagen fehlen, kann Digitalisierung nicht stattfinden. Die Kommunen erhalten vom Bund zum Ausbau des schnellen Internets 2,7 Milliarden Euro. Die sollten sie schnell und effektiv investieren.

Der Diskussion über die Digitalisierung fehlt eine belastbare Datengrundlage. Daten beispielsweise darüber, wie weit Internetzugänge verbreitet sind und wie viele Unternehmen eine Website haben, machen wenig Sinn, wenn nicht auch untersucht wird, inwiefern diese Kennzahlen die Performance der Unternehmen und der Wirtschaft insgesamt beeinflussen. Erst wenn entsprechende Daten vorliegen, können Politik, Wissenschaft und die Unternehmen selbst die Chancen und Risiken der Digitalisierung individuell identifizieren.

Kleinteilige, regelmäßige Befragungen zahlreicher Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen könnten hierfür ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Die Regierung sollte solche Befragungen und darauf basierende Analysen stärker finanziell fördern.

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IW-Kurzbericht, 7. Dezember 2016

Barbara Engels Big-Data-Analyse – Ein Einstieg für Ökonomen Arrow

Big Data ist eines der spannendsten Mysterien der Gegenwart. Jeder redet davon, keiner weiß, wie es genau geht, alle geben vor, es zu tun – so hat es der Ökonom Dan Ariely mal formuliert. Dieser Kurzbericht gibt einen Überblick darüber, inwiefern Big-Data-Analysen in Wirtschaftswissenschaft und Politikberatung bereits eingesetzt werden und welche Nutzungspotenziale es gibt. mehr