Mindestlohn für Flüchtlinge Image
Junge Flüchtlinge sollten eine Ausbildung machen, denn auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind vor allem Fachkräfte gefragt. Foto: Tunart/iStock

Der Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde hat eine doppelte Wirkung auf Flüchtlinge: Einerseits erhöht er den Anreiz, auf eine Ausbildung zu verzichten, weil die Ausbildungsvergütungen niedriger sind und Familienangehörige in der Heimat auf Geld hoffen. Andererseits haben aber viele Flüchtlinge keine Chance, zu diesem Preis Arbeit zu finden. Sie werden so gezwungen, sich ausbilden zu lassen. Das muss aber politisch flankiert werden. Die CDU schlägt zu Recht vor, Asylbewerber, die eine Lehre machen, besser zu schützen. Sie brauchen eine Bleibeperspektive.

Denn der deutsche Arbeitsmarkt braucht vor allem Fachkräfte. Da mehr als die Hälfte der Flüchtlinge jünger als 25 Jahre ist, sollten alle Integrationsanstrengungen darauf gerichtet sein, Flüchtlinge in eine Berufsausbildung zu bringen. Davor müssen Flüchtlinge Sprachkurse absolvieren, die mit „Schnupperkursen“ in Unternehmen und Betriebspraktika kombiniert werden können. Hier ist die Frage, ob die dreimonatige Freistellungsfrist vom Mindestlohn bei Betriebspraktika den Integrationsanforderungen gerecht wird. Sollte dies nicht der Fall sein, muss die Politik handeln und die Frist verlängern. Die Ausnahme vom Mindestlohn sollte dann aber generell und nicht nur für Flüchtlinge gelten, um keine Ressentiments zu schüren.

Eine Arbeitsmarktintegration ist zweifellos der Schlüssel zur erfolgreichen gesellschaftlichen Integration. Dafür muss die Politik aber erst einmal die strittige Vorrangprüfung von Inländern und EU-Bürgen abschaffen und die unnötigen Hürden für Zeitarbeit streichen. Die CDU fordert zu Recht, dass Flüchtlinge schon nach drei Monaten eine Stelle in der Zeitarbeit annehmen dürfen. Über Änderungen beim Mindestlohn sollte dann diskutiert werden, wenn genügend Fakten auf dem Tisch liegen. Kommt es zu einem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten, gehört der gesetzliche Mindestlohn als Ganzes auf den Prüfstand – und mit ihm die tariflichen Branchenmindestlöhne, die zu einer viel wichtigeren Integrationsbarriere als die gesetzliche Lohnuntergrenze werden könnten.

Ansprechpartner

Migrationseffekte – Integration schafft Wachstum
IW-Pressemitteilung, 16. Januar 2017

Migrationseffekte Integration schafft WachstumArrow

Die Flüchtlinge haben einen positiven Effekt auf die deutsche Konjunktur. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach erhöht die jüngste Zuwanderung das Bruttoinlandsprodukt bis 2020 um insgesamt rund 90 Milliarden Euro. Der Effekt auf das Pro-Kopf-Einkommen ist vorerst negativ. mehr

16. Januar 2017

Flüchtlinge Wachstumsfaktor Migration Arrow

Was passiert, wenn ein Land sprunghaft mehr Einwohner bekommt? Ob die Aufnahme von Millionen Flüchtlingen Deutschland mittelfristig teuer zu stehen kommt oder ob sie sich wirtschaftlich sogar auszahlt, hängt im Wesentlichen von einem Punkt ab: wie gut sich die Zuwanderer auf dem heimischen Arbeitsmarkt integrieren. mehr auf iwd.de

IW-Trends, 16. Januar 2017

Tobias Hentze / Galina Kolev Gesamtwirtschaftliche Effekte der Flüchtlingsmigration in DeutschlandArrow

Auf der einen Seite sind die Effekte der Flüchtlingsmigration auf das Pro-Kopf-Einkommen und die fiskalische Bilanz leicht negativ. Auf der anderen Seite steigern die höheren Staatsausgaben verbunden mit einer zunehmenden Anzahl erwerbstätiger Flüchtlinge das Wirtschaftswachstum. mehr