Mindestlohn Image
Quelle: Doruk Sikman – Fotolia

Armut zu beseitigen – das ist das hehre Ziel der Befürworter des Mindestlohns. Doch es wird durch eine allgemeine gesetzliche Lohnuntergrenze kaum erreicht: Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat errechnet, dass 82 Prozent aller Mindestlohnbezieher nicht armutsbedroht sind. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat zudem ermittelt, dass die meisten Betroffenen real praktisch nichts durch einen Mindestlohn gewännen.

Derweil werden die Risiken des Mindestlohns – Arbeitsplatzverluste, mehr Schattenwirtschaft, mehr Scheinselbständigkeit und damit höheren fiskalischen Belastungen für den Staat – von Mindestlohnbefürwortern kategorisch als „Ammenmärchen“ abgetan.

Doch im Ergebnis wäre ein Mindestlohn für Deutschland eine politische Beruhigungspille ohne positive therapeutische Wirkung.

Wenn die SPD allerdings keinen Koalitionsvertrag ohne Mindestlohn unterzeichnen kann, dann sollte sie wenigstens aus dem Ausland lernen, dass Differenzierungen das Schlimmste verhindert können: Jugendliche sollten ausgenommen werden und für den Osten muss ein deutlich niedrigerer Satz angesetzt werden. Schließlich zeigt das Beispiel Frankreich, dass ein undifferenzierter Mindestlohn es vor allem Jugendlichen sehr schwer macht, einen Job zu finden. Oder will die Große Koalition nach französischem Vorbild in einigen Jahren Lohnsubventionen an Unternehmer zahlen, damit diese zum Mindestlohn einstellen?

Ansprechpartner

Themen

Mindestlohn
IW-Nachricht, 28. Juni 2016

Mindestlohn Mit Augenmaß anpassenArrow

Die Mindestlohnkommission schlägt vor, die Lohnuntergrenze ab 2017 auf 8,84 Euro je Stunde anzuheben. Sie hält sich damit an die Regeln des Mindestlohngesetzes. Kritiker fordern dagegen 10 Euro und mehr. Das wäre unverantwortlich, denn noch immer weiß niemand, wie sich der Mindestlohn bei schwächelnder Konjunktur auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. mehr