Lohnnebenkosten Image
Quelle: Fotolia

Vergleichsweise niedrig ist dagegen in Deutschland die Quote der Lohnnebenkosten, die mit 32 Prozent um 4 Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt liegt. Diese Zahl markiert jedoch nur die Spitze des Eisbergs und taugt nicht als Argument dafür, bei Reformen die Hände in den Schoß zu legen. Denn die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesene Quote stellt nur dar, was der Arbeitgeber zusätzlich zum Jahresverdienst für die Sozialversicherung, die betriebliche Altersversorgung, die Aus- und Weiterbildung und sonstige Sozialaufwendungen zahlt.

Außen vor bleiben dabei Sozialkosten, die im Jahresverdienst enthalten sind. So muss der Arbeitgeber etwa seinen Mitarbeiter auch dann bezahlen, wenn er Urlaub nimmt. Dazu kommen in vielen Betrieben Lohnextras wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Bezogen auf das Entgelt für geleistete Arbeit ergibt sich so für die deutsche Industrie eine Zusatzkostenquote von rund 73 Prozent. In Euro je Stunde gerechnet ist dies der fünfthöchste Wert in der EU.

Das Statistische Bundesamt vergleicht überdies Äpfel mit Birnen. Die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern erklären sich nämlich in erster Linie durch verschiedene Finanzierungsmodalitäten. So hat Dänemark eine niedrige Quote, weil dort die soziale Sicherung überwiegend aus der Staatskasse finanziert wird. Beim Quotenspitzenreiter Frankreich tragen dagegen die Arbeitgeber die Hauptlast.

Für die Mitarbeiter ist wichtig, was ihnen unter dem Strich von den Arbeitskosten bleibt. Hier liegt Deutschland nach OECD-Statistik bei einem durchschnittlich verdienenden Single auf einem unrühmlichen dritten Platz. Von den Arbeitskosten kommen mit 48 Prozent hierzulande weniger als die Hälfte als Nettolohn auf dem Konto des Mitarbeiters an – nur Belgien und Ungarn haben höhere Abzüge.

Ansprechpartner

IW-Trends, 19. Januar 2017

Christoph Schröder Lohnstückkosten im internationalen VergleichArrow

Das Lohnstückkostenniveau des deutschen Verarbeitenden Gewerbes ist nach wie vor hoch. Im Durchschnitt lagen die Lohnstückkosten in den ausgewählten Vergleichsländern im Jahr 2015 um 11 Prozent unter dem deutschen Niveau. Der Euroraum hatte mit 4 Prozent nur einen moderaten Vorteil gegenüber Deutschland. mehr

11. Januar 2017

Lohnstückkosten Die Kostenbelastung bleibt hochArrow

Die deutsche Industrie muss im Vergleich zur internationalen Konkurrenz weiterhin mit einem deutlichen Kostennachteil zurechtkommen. In den Jahren seit der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Lohnstückkosten in Deutschland sogar deutlich schneller gestiegen als im Ausland. mehr auf iwd.de

Exporterfolg
IW-Pressemitteilung, 18. Oktober 2016

Interaktive Grafik zur Exportperformance Lohnstückkosten prägen WelthandelArrow

Selbst die Exportnation Deutschland muss um Anteile auf ihren Absatzmärkten kämpfen. Der Preis, zu dem Unternehmen produzieren, spielt dabei eine wichtige Rolle. Eine interaktive Grafik des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: Steigen die Lohnstückkosten stärker als bei der Konkurrenz, sinkt in der Regel der Exporterfolg. mehr