Auf dünnem Eis Image
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Die EZB hat sich im Laufe der Finanzmarktkrise immer weiter von ihren eigenen Regeln entfernt. So kauft sie Staatsanleihen bedrohter Euro-Staaten auf – obwohl sie per Gesetz Staaten nicht direkt finanzieren darf. Die Zentralbank gefährdet damit zunehmend ihre Unabhängigkeit von der Politik – und auch die aktuelle Zinssenkung dürfte an ihrer Glaubwürdigkeit rütteln. Denn ein Ziel der EZB ist die Preisstabilität, in anderen Worten: In der Euro-Zone sollte die Inflation nicht über 2 Prozent liegen. Momentan jedoch steht die Teuerung mit knapp 3 Prozent bereits deutlich über dem Limit. Mit der Leitzinssenkung verbilligen die Währungshüter das Geld nun noch einmal.

Die Motivation dahinter ist der aktuellen Situation geschuldet: Wie auch schon 2008 haben Banken wenig Vertrauen zueinander und leihen sich gegenseitig nur ungern Geld. Stattdessen beschaffen sie sich ihre Liquidität bei der EZB. Sinkt der Zins für das geliehene Geld, wird es für die Geldhäuser billiger, sich Kapital zu beschaffen. Im besten Fall könnte das dann dazu führen, dass die Banken wieder mehr Kredite nach draußen vergeben und damit die schwächelnde Wirtschaft ankurbeln.

Wie die nächsten Zinsschritte aussehen werden, ist ungewiss. Die Inflationsrate scheint jedenfalls nicht mehr der entscheidende Indikator für die Zinspolitik der EZB zu sein. Eins ist aber sicher: Der Goldpreis wird von der jüngsten Entscheidung deutlich profitieren – gilt das Edelmetall doch als eine besonders krisen- und inflationssichere Anlage. Nichtsdestotrotz täte die EZB gut daran, keine Anzeichen von Inflationspolitik aufkommen zu lassen und damit das Vertrauen internationaler Investoren aufs Spiel zu setzen.

26. September 2016

Geldpolitik Draghische EntscheidungenArrow

Seit 2008 zieht die Europäische Zentralbank (EZB) ein geldpolitisches Instrument nach dem anderen aus dem Hut, um die Märkte zu stabilisieren, die Wirtschaft zu beleben oder – wie derzeit – die Inflation anzukurbeln. Weil bislang nicht alle erhofften Wirkungen eingetreten sind, soll EZB-Chef Mario Draghi nach dem Willen einiger Ökonomen noch tiefer in die geldpolitische Trickkiste greifen. Doch das ist nicht notwendig. Denn tatsächlich wirkt die Niedrigzinspolitik – auf dem Arbeitsmarkt. mehr auf iwd.de

Zinsentscheidung der Federal Reserve
IW-Nachricht, 22. September 2016

Zinsentscheidung der Federal Reserve Normalisierung der Geldpolitik immer unwahrscheinlicher Arrow

Die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) hat die Erhöhung des Leitzinses erneut aufgeschoben. Im vorigen Jahr hatte die Fed ihre Niedrigzinspolitik zwar offiziell beendet. Doch trotz guter Arbeitsmarktdaten gab es seitdem keine weiteren Zinsschritte. Vom „normalen“ Leitzins, der in den USA bei 4 Prozent läge, ist die Zentralbank also weit entfernt – und müsste im Abschwung wie Europa auf negative Zinsen setzen. mehr

The Contribution of Supply and Demand Factors to Low Inflation
IW-Kurzbericht, 20. September 2016

Michael Hüther / Markus Demary IW Monetary Outlook: The Contribution of Supply and Demand Factors to Low InflationArrow

Eurozone inflation underperforms since the beginning of 2013 and monetary policy struggles to stabilize it since then. The items of the aggregate inflation rate indicate that low inflation is due to both supply and demand factors and weak demand is caused by indebtness and unemployment. Additional monetary policy measures are not required in the current situation because monetary policy has long lags when economies are indebted and it already helped to reduce cyclical unemployment. mehr