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Solange sich nichts am Einkommenssteuertarif ändert, steigt bei jeder noch so kleinen Lohnerhöhung der Steuersatz. Deshalb wächst die Steuerbelastung schon, wenn ein Arbeitnehmer gerade so viel mehr Geld bekommt, dass das die Preissteigerung ausgleicht, er sich also gar nicht mehr leisten kann als vorher. Beim Finanzminister klingelt mithin schon die Kasse, wenn die Preise steigen. Das nennt man kalte Progression.

Wenn die Löhne über die Preissteigerung hinaus steigen, sind Steuermehreinnahmen gerechtfertigt. Denn wer mehr verdient, kann auch mehr Steuern zahlen. Damit die Steuerbelastung aber nicht schon allein aufgrund der Inflation wächst, müssen die Tarifgrenzen regelmäßig angepasst werden. Ab und zu gibt es eine solche Anpassung. Doch die letzte ist schon vier Jahre her: Bei den Konjunkturpaketen in den Jahren 2009 und 2010 wurden alle Tarifgrenzen angepasst, und auf diese Weise wurde die kalte Progression abgebaut.

Entscheidend ist indes, dass nicht nur einmal die Tarifgrenzen angepasst werden, sondern dauerhaft. „Tarif auf Rädern“ nennen Fachleute das. Für Politiker ist der Automatismus problematisch, denn eine einmalige Anpassung lässt sich gut als Steuerentlastung verkaufen, eine regelmäßige automatische Anpassung nicht. Außerdem fehlen den Haushältern im Bund, in den Ländern und in den Gemeinden dann Steuereinnahmen, die sie längst verplant haben.

Deshalb kann es nur so funktionieren: Die Tarifgrenzen müssen regelmäßig, am besten jährlich, an die Preissteigerung angepasst werden. Im Einkommenssteuergesetz muss festgelegt werden, dass von diesem Grundsatz nur in speziellen Notfällen abgewichen werden darf. Der Gesetzgeber muss ebenfalls festhalten, dass in den Finanzplanungen von Bund, Ländern und Gemeinden die Steuermehreinnahmen aus der kalten Progression nicht mehr verbucht werden dürfen.

Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 16. Februar 2017

Markus Demary The End of Low Interest Rates?Arrow

After the economic recovery has strengthened and inflation rates have increased, hopes for higher interest rates emerged among savers, while debtors began to fear higher financing costs. This article argues, that there is room for higher interest rates, but this room is small compared to historical interest rate levels. mehr

Gastbeitrag, 8. Februar 2017

Tobias Hentze auf makronom.de Wenn nicht jetzt, wann dann?Arrow

Es erscheint als ein Luxusproblem für die Politik: Wohin mit den Überschüssen in den öffentlichen Haushalten? Schulden tilgen, Investitionen erhöhen? Bei genauem Hinsehen ist eine Option den anderen überlegen: Die Zeit ist reif für eine Steuerentlastung, die diesen Namen verdient. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Tobias Hentze im Online-Magazin für Wirtschaftspolitik makronom.de. mehr

Reform der Grunderwerbsteuer
Gutachten, 6. Februar 2017

Tobias Hentze / Björn Seipelt / Michael Voigtländer Reform der GrunderwerbsteuerArrow

Deutschland gilt als Mieternation. Lediglich 45 Prozent der Haushalte in Deutschland leben in den eigenen vier Wänden. Dies liegt zum großen Teil an der hohen Grunderwerbssteuer. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat untersucht, was nötig wäre, um die Wohneigentumsquote zu erhöhen. mehr