Griechenland-Krise Image
Quelle: Pavle – Fotolia

Im November 2014 hat die EZB zusätzlich zu ihrem Mandat – die Geldwertstabilität zu sichern – die Aufsicht über die großen und systemrelevanten Banken des Euroraums übernommen. Bei ihrem Stresstest im Oktober 2014 fielen zwei griechische Banken durch und mussten sich zusätzliches Eigenkapital beschaffen, um die Gefahr einer Überschuldung zu reduzieren. Damals wurden die Banken allerdings nicht auf die Folgen einer Pleite Griechenlands überprüft, was sich jetzt rächen könnte. Denn bei einer Staatsinsolvenz droht ein Zusammenbruch der griechischen Banken.

Für die EZB-Bankenaufsicht ist es höchste Zeit, zu handeln und die griechischen Banken gegen die Folgen einer griechischen Staatspleite zu schützen. Denn die Liquiditätsabflüsse können schnell zu einer Insolvenz führen, sobald die Anleger das Vertrauen in die Stabilität der Banken vollends verlieren und die Konten plündern. Ein Beispiel dafür ist der Bank-Run auf die britische Bank Northern Rock im Jahr 2008.

Die EZB sollte deshalb ihre Bankaufseher in die betroffenen griechischen Banken entsenden. Diese sollten dort die Solvenz der Banken prüfen, um rechtzeitig zu intervenieren. Eine entsprechende Frühintervention könnte beispielsweise dergestalt erfolgen, dass die EZB anordnet, dass Bankschulden reduziert werden und gleichzeitig Eigenkapital aufgebaut wird, indem das Geld der Gläubiger in Eigenkapital umgewandelt wird. So könnten die Banken robuster gegen eine Staatspleite und einen Bank-Run werden, denn Eigenkapital kann nicht abgezogen werden. Zusätzlich zum Geld der Gläubiger könnte die EZB auch Bankguthaben von über 100.000 Euro für eine Gläubigerbeteiligung nutzen, um damit das Eigenkapital der Bank aufzubauen – dies erlauben ihr ihre neuen Kompetenzen.

Dieses Vorgehen wäre keineswegs ein Novum: Erstmals wurden Bankguthaben von reichen Sparern in der Bankenkrise Zyperns im Jahr 2013 zur Bankenrettung herangezogen. Allzu lange sollte die EZB in Griechenland damit aber nicht warten, denn das verschlimmert die Situation nur. Und: Eine Kombination aus Staatspleite und Bankenpleiten würde verheerende Folgen für Griechenland haben.

Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 16. Februar 2017

Markus Demary The End of Low Interest Rates?Arrow

After the economic recovery has strengthened and inflation rates have increased, hopes for higher interest rates emerged among savers, while debtors began to fear higher financing costs. This article argues, that there is room for higher interest rates, but this room is small compared to historical interest rate levels. mehr

Maastricht ebnet Weg zum Euro: Ein Vertrag mit Schwächen
Gastbeitrag, 7. Februar 2017

Berthold Busch auf n-tv.de Maastricht ebnet Weg zum Euro: Ein Vertrag mit SchwächenArrow

Heute vor 25 Jahren wurde der Vertrag von Maastricht unterzeichnet. Er war ein Meilenstein auf dem Weg zur EU in ihrer heutigen Form und auch zum Euro. Doch für Partystimmung sorgt das Jubiläum nicht. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Berthold Busch auf n-tv.de. mehr

6. Februar 2017

Europäische Währungsunion 25 Jahre Vertrag von MaastrichtArrow

Seit Jahren schlittert die Europäische Union von einer Krise in die andere – vorläufiger Höhepunkt war das Brexit-Votum im vergangenen Jahr. Doch trotz aller Widrigkeiten: Die Mehrheit der Europäer hält den Euro für eine gute Sache. mehr auf iwd.de