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Frankreichs Wunsch nach einem schwachen Euro spiegelt den aktuellen Zeitgeist wider: Die Politik versucht die Zentralbanken zu beeinflussen – zum Teil sogar mit Erfolg. So bat der britische Finanzminister die Bank of England um eine lockere Geldpolitik. Und wie es aussieht, wird die Zentralbank das Inflationsziel für dieses Jahr wohl wirklich nicht einhalten. Der neue japanische Zentralbankchef scheint ebenfalls ein enger Partner des dortigen Regierungschefs zu sein. Er unterstützt dessen „Abenomics“, einer Mischung aus expansiver Geldpolitik, schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen und einem schwachen Yen. Die US Notenbank Federal Reserve will derweil so lange an ihren Niedrigzinsen festhalten, bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent liegt.

Auch die EZB darf die allgemeine Wirtschaftspolitik unterstützen, jedoch nur, solange dies die Geldwertstabilität nicht gefährdet. Im Gegensatz zu den anderen Zentralbanken hilft sie mit ihrer unkonventionellen Geldpolitik aber nicht gezielt den nationalen Regierungen, sondern stabilisiert die Eurozone als Ganzes. Ein Nachlassen der Strukturreformen in den Euroländern würde die Währungshüter in Frankfurt aber unter Druck setzen, notfalls Staatsanleihen einzelner Länder kaufen zu müssen, um den Euro zu retten.

Ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik wird für die EZB indes zunehmend schwieriger, da sich die Finanzwelt an die Niedrigzinsen zu gewöhnen droht. Doch sobald die Gefahr steigt, dass die Inflation kräftig zulegt, muss die Zentralbank die Zinsen wieder konsequent erhöhen. Weil dies dann allerdings einen zukünftigen Aufschwung gefährden könnte, wird der politische Druck gegen eine Zinserhöhung durch die EZB dann noch stärker werden.

Entsprechend empfiehlt das IW Köln dem Rat der EZB dreierlei:

  • Um die Geldwertstabilität zu sichern, muss die EZB auch weiterhin dem wachsenden politischen Druck standhalten. Staatsanleihen dürfen nur im Notfall aufgekauft werden, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern.
  • Der EZB-Rat sollte einen glaubhaften Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik kommunizieren. Hierzu sollte in den Monatsberichten der Zentralbank ein Pfad für den Leitzins unter Berücksichtigung der konjunkturellen Lage für die kommenden drei Jahre veröffentlicht werden. Abweichungen von diesem Pfad sollte die EZB begründen.
  • Die EZB sollte ausführlicher erklären, wie sie die geplante Bankenaufsicht von ihrer Geldpolitik institutionell trennen möchte, um die Unabhängigkeit der Geldpolitik auch weiterhin zu erhalten.

Ansprechpartner

10. Januar 2017

Geldpolitik Bargeld bremst Wirkung der GeldpolitikArrow

Die Europäische Zentralbank flutet die Märkte seit Jahren mit Geld, um die Inflation anzukurbeln. Die althergebrachte Methode funktioniert jedoch nicht mehr. Einer der Gründe: Die EU-Bürger horten Bargeld. mehr auf iwd.de

The U.S. experience should lead the way
Gastbeitrag, 3. Januar 2017

Michael Hüther in The International Economy The U.S. experience should lead the wayArrow

Despite of the European Central Bank’s (ECB) accommodative monetary policy stance, Euro Area inflation expectations remain persistently depressed. Financial intermediaries’ interest rate margins have been squeezed and the secondary market for sovereign debt is running out of bonds. As a consequence more and more European economists call for a tool of last resort – helicopter money. A contribution by Michael Hüther for The International Economy, a specialized quarterly magazine. mehr

Geldmenge und Inflation in Europa
IW policy paper, 21. Dezember 2016

Matthias Diermeier / Henry Goecke Geldmenge und Inflation in Europa – Ist der Zusammenhang verloren?Arrow

Seit dem Ausbruch der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 befindet sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) im Krisenmodus. Die Übersetzung der wachsenden Geldmenge auf eine höhere Inflation beziehungsweise Inflationserwartung gestaltet sich schwierig. mehr