Geldpolitik der EZB Image
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„Die Märkte brauchen ein starkes Signal. Das kann nur ein groß angelegtes Kaufprogramm leisten“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. Die Situation vieler Euro-Länder sei vergleichbar mit der eines Patienten, der sich von einer schweren Krankheit erholt, dessen Immunsystem ihn aber noch nicht wieder vor neuen Infektionen schützen kann. Die aktuell sinkenden Preise in Europa stellen laut IW-Studie eine entsprechende Gefahr dar – und der Grundauftrag der EZB ist es seit jeher, für stabile Preise zu sorgen.

Diese Preisstabilität und Wachstumsimpulse werden dringend benötigt, denn der Euroraum befindet sich in einer Bilanzrezession - einem Teufelskreis aus Schuldenabbau und langsamem Wachstum. Käme nun eine Deflation hinzu, so droht eine lange Wirtschaftsflaute, wie jene in Japan. „Der europäische Patient benötigt eine umfassende Therapie; bestehend aus einem Abbau von Schulden, Reformen für ein gesundes Wirtschaftswachstum und aus der Verhinderung von Deflation“, erklärt Hüther.

Kritiker halten einen so umfassenden Aufkauf von Staatsanleihen allerdings für gefährlich. Sie befürchten, dass die EZB Verluste machen wird und sie dann mit Steuergeldern gerettet werden muss. Doch diese Kritik ist überzogen: Zum einen hat die EZB bereits im Jahr 2008 damit begonnen, Rückstellungen für entsprechende Eventualitäten zu bilden. Diese liegen aktuell bei 331 Milliarden Euro. Zum anderen kann sie auch bei Verlusten problemlos weiterarbeiten. Sie hat schließlich die Lizenz zur Ausgabe eines gesetzlichen Zahlungsmittels, d.h. sie kann einfach zusätzliches Geld schaffen.

Die Skeptiker bemängeln daran allerdings, dass sowohl Rückstellungen als auch Verluste die jährliche Gewinnüberweisung der EZB an die Finanzminister schmälern. Dazu stellt IW-Direktor Hüther klar: „Eine Gewinnüberweisung der EZB stellt lediglich eine freudige Überraschung dar. Die Europäische Zentralbank arbeitet nicht mit dem Ziel, Gewinn zu machen.“ Ein entsprechendes Ziel würde die Unabhängigkeit der EZB gefährden.

Zudem, so der Ökonom weiter, sagen Gewinne wenig über den Erfolg einer Zentralbank aus. Ihr Erfolg bemesse sich allein an der Erfüllung ihres Mandats – im Fall der EZB ist dies eine Inflationsrate von unter, aber nahe zwei Prozent. Und solange die Europäische Zentralbank dieses Mandat erfüllt, ist sie auch im Fall von finanziellen Verlusten erfolgreich gewesen.

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld?

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Presseveranstaltung, 23. Januar 2017

Pressegespräch Mit Trump, trotz Brexit: Wie die EU zu retten istArrow

Das IW hat analysiert, was die EU tun kann, um die Herausforderungen zu meistern und die Wirtschaft langfristig zu stärken. Unter anderem kommt dabei der EZB eine zentrale Rolle zu. Die Ergebnisse und die Entwicklungen erläutert IW-Direktor Michael Hüther in einem Pressegespräch. mehr

10. Januar 2017

Geldpolitik Bargeld bremst Wirkung der GeldpolitikArrow

Die Europäische Zentralbank flutet die Märkte seit Jahren mit Geld, um die Inflation anzukurbeln. Die althergebrachte Methode funktioniert jedoch nicht mehr. Einer der Gründe: Die EU-Bürger horten Bargeld. mehr auf iwd.de

The U.S. experience should lead the way
Gastbeitrag, 3. Januar 2017

Michael Hüther in The International Economy The U.S. experience should lead the wayArrow

Despite of the European Central Bank’s (ECB) accommodative monetary policy stance, Euro Area inflation expectations remain persistently depressed. Financial intermediaries’ interest rate margins have been squeezed and the secondary market for sovereign debt is running out of bonds. As a consequence more and more European economists call for a tool of last resort – helicopter money. A contribution by Michael Hüther for The International Economy, a specialized quarterly magazine. mehr