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Freiwillige, zusätzliche Rentenbeiträge lohnen sich nur für den einzelnen, nicht aber für das gesamte System. Foto: vitranc/iStock

Da die gesetzliche Rente schrumpft, sollen Arbeitnehmer auch betrieblich und privat fürs Alter vorsorgen. Angesichts der niedrigen Zinsen zweifeln viele aber an dieser Strategie. Denn während die Sparbuch-Zinsen selbst eine geringe Inflation nicht ausgleichen können, steigen die gesetzlichen Renten kontinuierlich – nach den Berechnungen der Bundesregierung in den alten Bundesländern bis 2029 jährlich um durchschnittlich 2,2 Prozent. Im Sommer 2016 fällt das Plus mit voraussichtlich 4,35 Prozent in den alten und 5 Prozent in den neuen Bundesländern sogar besonders üppig aus – Grund ist ein statistischer Nachholeffekt.

Wer kurz vor der Rente steht, kann sich ausrechnen, ob es günstiger ist, freiwillig noch ein paar Jahre höhere Beiträge zu zahlen und dafür eine höhere Rente zu erhalten. Insbesondere, wer vorzeitig in den Ruhestand wechselt, kann so die fälligen Abschläge kompensieren. Allerdings sollten Arbeitnehmer beachten: Die Entscheidung für höhere Beiträge lässt sich nicht mehr revidieren. Das heißt in der Konsequenz:

  • Steigt der Marktzins wieder, ohne dass sich die monatliche Rente künftig stärker erhöht, kann sich die Zahlung freiwilliger Beiträge als Fehlentscheidung entpuppen.
  • Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und ggf. Einkommenssteuer müssen auf den erhöhten Rentenbetrag gezahlt werden. Steigen die Sozialabgaben, kann sich das Vorzeichen der Rechnung wieder drehen.
  • Die gesetzliche Rente schützt vor dem „Risiko“ eines langen Lebens, weil sie jeden Monat fließt. Derzeit beziehen Männer bundesweit im Schnitt 19,3 Jahre eine Rente, Frauen sogar 21,4 Jahre. Wer dafür jetzt freiwillig höhere Beiträge zahlt, hat weniger Geld für andere Investitionen in der Tasche – zum Beispiel einen altersgerechten Umbau der Wohnung.

Freiwillige Beiträge können sich für den einzelnen durchaus rechnen, aber keinesfalls für die gesamte Rentenversicherung. Denn die freiwilligen Beiträge fließen der Rentenkasse in einer Summe zu. Damit wird die Rentenkasse einmalig geflutet, der Beitragssatz kann für rentennahe und junge Beitragszahler gleichermaßen sinken. Sobald aber die Zusatzzahler in den Ruhestand wechseln, sorgt das für eine zusätzliche Beitragsbelastung jüngerer Kohorten, weil die aufgestockten Rentenansprüche noch zusätzlich finanziert werden müssen. Auf mittlere Sicht werden so wieder größere Lasten auf die Schultern der nachwachsenden Generationen verschoben. Damit die gesetzliche Rente nachhaltig gesichert wird, muss der Gesetzgeber deshalb die freiwillige Beitragszahlung eng begrenzen.

Ansprechpartner

Interview, 25. November 2016

Jochen Pimpertz im Deutschlandfunk "Gut, dass die Koalition sich nicht darauf hat einigen können"Arrow

Arbeitsministerin Andrea Nahles habe mit ihrem Wunsch, das Rentenniveau anzuheben und dafür einen höheren Beitragssatz einzufordern, Lasten verschoben, sagte Jochen Pimpertz im Deutschlandfunk. Und zwar "einseitig auf die jungen Beitragszahler", so der Rentenexperte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Dies sei "eine grundlegend falsche Entscheidung". mehr

Zukunft der Altersversorgung
IW-Nachricht, 25. November 2016

Zukunft der Altersversorgung Der Renten-Wahlkampf ist eröffnetArrow

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plädiert für ein Mindestrentenniveau von 46 Prozent auch nach dem Jahr 2030. Das wird nur mit höheren Belastungen der nachfolgenden Generationen möglich sein. Den Nachweis, warum die bisherige doppelte Haltelinie nicht reicht, bleibt die Ministerin schuldig. mehr

Rentengipfel
IW-Nachricht, 24. November 2016

Rentengipfel Weitblick statt AktionismusArrow

Wenn die Große Koalition um einen Rentenkompromiss streitet, geht es nicht nur um einen Interessenausgleich zwischen gut und gering verdienenden Arbeitnehmern sowie Menschen mit niedrigen oder hohen Renten. Es geht eigentlich auch um die Interessen der jungen Beitragszahler und Kinder – doch die werden häufig nicht berücksichtigt. mehr