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Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 hörten die Banken auf, sich gegenseitig Geld zu leihen. Um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern, mussten die großen Zentralbanken weltweit deswegen Unmengen Liquidität in die Märkte pumpen.

Eine Steuer auf Finanzgeschäfte wäre gerade in einer solchen Situation kontraproduktiv gewesen. Schließlich lebt der Finanzmarkt davon, dass Papiere viel und regelmäßig gehandelt werden. Denn erst dann liegen die Ankaufs- und Verkaufskurse nicht mehr weit auseinander. Eine Finanztransaktionssteuer hingegen führt dazu, dass seltener gehandelt wird – wodurch sich die Preisdifferenz zwischen Kauf und Verkauf erhöht.

Die dadurch entstehenden Zusatzkosten müssen die Endkunden tragen – beispielsweise all jene, die am Kapitalmarkt privat fürs Alter vorsorgen. Das deutsche Aktieninstitut beziffert diese Kosten für den Durchschnittshaushalt auf 48 bis 62 Euro im Jahr.

Die Finanztransaktionssteuer trifft aber auch die Unternehmen der Realwirtschaft – gerade die exportstarken. Denn die Steuer fällt auch bei Absicherungsgeschäften, beispielsweise gegen Wechselkursschwankungen, an.

Außerdem gilt: Es sind bereits deutlich bessere Maßnahmen eingeleitet worden, um die Finanzbranche an den Kosten der Krise zu beteiligen und eine weitere Krise zu verhindern: Seit 2014 überwacht die Europäische Zentralbank die großen Banken des Euroraums, wofür die Banken extra zahlen müssen – genauso wie für die Bilanzprüfung und den Bankenstresstest. Zudem müssen Banken eine Abgabe an den neuen europäischen Abwicklungsfonds zahlen, der Umstrukturierungen bei kriselnden Banken vorfinanziert. Auch die Eigenkapitalanforderungen an die Banken sind gestiegen – bei Verlusten müssen also mit mehr eigenem Geld haften als früher.

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Presseveranstaltung, 23. Januar 2017

Pressegespräch Mit Trump, trotz Brexit: Wie die EU zu retten istArrow

Das IW hat analysiert, was die EU tun kann, um die Herausforderungen zu meistern und die Wirtschaft langfristig zu stärken. Unter anderem kommt dabei der EZB eine zentrale Rolle zu. Die Ergebnisse und die Entwicklungen erläutert IW-Direktor Michael Hüther in einem Pressegespräch. mehr

10. Januar 2017

Geldpolitik Bargeld bremst Wirkung der GeldpolitikArrow

Die Europäische Zentralbank flutet die Märkte seit Jahren mit Geld, um die Inflation anzukurbeln. Die althergebrachte Methode funktioniert jedoch nicht mehr. Einer der Gründe: Die EU-Bürger horten Bargeld. mehr auf iwd.de

The U.S. experience should lead the way
Gastbeitrag, 3. Januar 2017

Michael Hüther in The International Economy The U.S. experience should lead the wayArrow

Despite of the European Central Bank’s (ECB) accommodative monetary policy stance, Euro Area inflation expectations remain persistently depressed. Financial intermediaries’ interest rate margins have been squeezed and the secondary market for sovereign debt is running out of bonds. As a consequence more and more European economists call for a tool of last resort – helicopter money. A contribution by Michael Hüther for The International Economy, a specialized quarterly magazine. mehr