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Um die Steuerreform zu finanzieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder muss ab 2011 ein strikter Sparkurs eingeschlagen werden, oder die Reform muss spürbare Wachstumsimpulse setzen, damit sie sich selbst finanziert. Für ersteres gibt es noch keine Anzeichen und für letzteres ist es unwichtig, ob der Tarif linear progressiv oder in Stufen verläuft. Um das Wachstum anzuschieben kommt es nämlich nur auf die Höhe der Steuersätze an, und was sie von einem Hinzuverdienst übriglassen. Ein Stufentarif macht es dann dem Steuerzahler einfacher auszurechnen, was ihm von einer Lohnerhöhung bleibt. Das mag psychologisch schon wichtig sein, um die Leistungsbereitschaft zu vergrößern. Und wer eine Tarifstufe ganz durchläuft, ohne eben in die nächste hineinzuspringen, hat die größten Vorteile aus der FDP-Reform. Es hängt deshalb davon ab, wie gut die Steuerpflichtigen ihre Steuerlast im gegenwärtigen Tarif kennen und ob sie den Stufentarif als Verbesserung wahrnehmen. Eine Wachstumsgarantie gibt es nicht.

Außerdem möchte die FDP die kalte Progression bekämpfen. Dafür ist nicht die Art des Tarifes entscheidend, sondern die Einkommensgrenzen, ab denen die Steuersätze gelten, genauer, ob deren Anhebung die Inflation ausgleicht. Durch die Anhebung der Einkommensgrenze für den Spitzensatz von 42 Prozent auf 53.000 Euro kommt es zu leichten Verbesserungen. In einem Stufentarif wird es allerdings möglich sein, die kalte Progression gezielt in unteren und mittleren Einkommensbereichen zu bekämpfen. So kann z.B. das Einkommen für den Sprung von 14 auf 25 Prozent isoliert angehoben werden, ohne den Rest des Einkommensteuertarifs zu verändern. Das war so bisher nicht möglich.

8. Dezember 2016

Einkommenssteuer „Es geht um hart erarbeitetes Geld“Arrow

Das IW Köln plädiert für die Beseitigung der kalten Progression in der deutschen Einkommenssteuer, der nächste Schritt wäre ein Abbau des sogenannten Mittelstandsbauchs. Warum es richtig ist, die Steuerzahler zu entlasten, darüber hat der „iwd“ mit dem Finanzwissenschaftler und Präsidenten des Münchener ifo Instituts Clemens Fuest gesprochen. mehr auf iwd.de

IW policy paper, 2. Dezember 2016

Martin Beznoska Die Belastungs- und Aufkommenswirkungen der kalten ProgressionArrow

Von 2010 bis einschließlich 2015 hat sich die gesamte, nicht mittels Tarifanpassungen ausgeglichene Zusatzbelastung der Steuerzahler durch die kalte Progression auf 36,5 Milliarden Euro summiert. Diese versteckten impliziten Steuererhöhungen durch die kalte Progression sind nicht durch die Gesetzgebung legitimiert und sollten daher von der Politik beseitigt werden. mehr