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Die BIZ warnt davor, dass das niedrige Zinsniveau und die ausgedehnte Liquiditätsversorgung die Bilanzsanierungen in der Europäischen Währungsunion verzögern. Der IW-Bankenmonitor bestätigt den Standpunkt der BIZ: Zwar hat sich die Eigenkapitalausstattung der Banken bisher vielversprechend entwickelt. Zudem ist die Anfälligkeit der Banken für ein plötzliches Versiegen kurzfristiger Refinanzierungsmöglichkeiten gesunken. Allerdings bleibt die erhebliche Ertragsschwäche einiger Banken ein Risiko. Das größte Problem ist aber nach wie vor der nur langsam voranschreitende Abbau notleidender Kredite, also von Krediten, deren Rückzahlung ungewiss ist – insbesondere in den Bankensektoren der Euro-Krisenländer.

Der IW-Bankenmonitor zeigt darüber hinaus, dass ein Großteil der notleidenden Kredite auf wenige Banken entfällt. Insgesamt konzentrierten sich am Ende des ersten Quartals 2014 fast zwei Drittel der notleidenden Kredite auf lediglich ein Viertel der untersuchten Banken. Die Größe der betroffenen Banken ist dabei so erheblich, dass deren Schieflage das europäische Finanzsystem destabilisieren könnte.

Die momentan sehr großzügige Zins- und Liquiditätspolitik der EZB hat die Anreize zur schnellen Bilanzsanierung gesenkt und so maßgeblich zum schleppenden Abbau der notleidenden Kredite beigetragen. Auch deshalb sollte die EZB früher als derzeit avisiert aus dem Niedrigzinsumfeld aussteigen – wie eine IW-Studie für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft aufzeigt. Vor allem aber muss der Druck auf die Banken erhöht werden, ihre Bilanzen endlich konsequent zu bereinigen. Die Bilanzprüfung und der anstehende Bankenstresstest der EZB im Rahmen des Aufbaus der Bankenunion sollten daher rigoros umgesetzt werden.

IW-Trends

Markus Demary: IW-Bankenmonitor – Bringt die Bankenprüfung der Europäischen Zentralbank das Vertrauen in den Euroraum zurück?

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Studie für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft

Markus Demary / Jürgen Matthes: Das aktuelle Niedrigzinsumfeld – Ursachen, Wirkungen und Auswege

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Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 16. Februar 2017

Markus Demary The End of Low Interest Rates?Arrow

After the economic recovery has strengthened and inflation rates have increased, hopes for higher interest rates emerged among savers, while debtors began to fear higher financing costs. This article argues, that there is room for higher interest rates, but this room is small compared to historical interest rate levels. mehr

Maastricht ebnet Weg zum Euro: Ein Vertrag mit Schwächen
Gastbeitrag, 7. Februar 2017

Berthold Busch auf n-tv.de Maastricht ebnet Weg zum Euro: Ein Vertrag mit SchwächenArrow

Heute vor 25 Jahren wurde der Vertrag von Maastricht unterzeichnet. Er war ein Meilenstein auf dem Weg zur EU in ihrer heutigen Form und auch zum Euro. Doch für Partystimmung sorgt das Jubiläum nicht. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Berthold Busch auf n-tv.de. mehr

6. Februar 2017

Europäische Währungsunion 25 Jahre Vertrag von MaastrichtArrow

Seit Jahren schlittert die Europäische Union von einer Krise in die andere – vorläufiger Höhepunkt war das Brexit-Votum im vergangenen Jahr. Doch trotz aller Widrigkeiten: Die Mehrheit der Europäer hält den Euro für eine gute Sache. mehr auf iwd.de