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Wegen Deflationsgefahren in einigen Euro-Staaten muss die EZB die Zinsen niedrig halten. Denn die Inflationsrate der Eurozone ist von 2,5 Prozent im Oktober 2012 auf aktuell nur noch 0,7 Prozent gefallen. Das hat die Währungshüter alarmiert, denn die EZB definiert Geldwertstabilität als eine Inflationsrate von unter, aber nahe 2 Prozent.

Denn wenn die Inflationsrate zu weit zurückgeht, wenn es mancherorts sogar sinkende Preise gibt, dann sinken auch die Umsätze der Unternehmen und die Gefahr einer Rezession steigt. Es gilt die Erkenntnis: Deflation ist deutlich gefährlicher als eine milde Inflation. Japan hat diese Erfahrung in den 1990ern gemacht und sich davon noch immer nicht ausreichend erholt. Aktuell zeigen sich Deflationsgefahren in Griechenland, Irland, Malta und Portugal.

Deutschland ist hingegen weit von der Deflation entfernt. Hierzulande beträgt die Teuerungsrate 1,6 Prozent. Gemessen an den Wirtschaftsdaten der Bundesrepublik ist der Leitzins von 0,25 Prozent also zu niedrig. Es besteht zudem die Gefahr, dass die Niedrigzinsen die deutschen Sparer verunsichern. Zwar ist bei den geringen Zinsen der Anreiz zum Sparen nicht besonders hoch, gleichwohl müssen die Deutschen mit Blick auf kapitalgedeckte Renten eigentlich mehr Geld zurücklegen, um ihre Sparziele fürs Alter zu erreichen.

Doch damit die EZB aus ihrer Niedrigzinspolitik aussteigen kann, müssen die Banken in der gesamten Eurozone wieder funktionstüchtig sein. Noch sind die Bankbilanzen in den Krisenländern allerdings nicht ausreichend aufgeräumt, weshalb die Kreditinstitute die niedrigen EZB-Zinsen nicht an Unternehmen weitergeben, was ja eigentlich ihre Aufgabe wäre.

Es macht deshalb Sinn, dass die EZB im Jahr 2014 die Bankbilanzen umfassend prüfen will. Wichtig ist aber, dass auf die Ergebnisse des Bilanz-TÜVs konsequente Sanierungsarbeiten folgen. Denn unprofitable Banken können eine ausreichende Kreditversorgung nicht garantieren und die niedrigen Zinsen würden deutschen Sparern zwar schaden, den Wirtschaftssystemen der Krisenländer aber nicht im gewünschten Umfang helfen.

Ansprechpartner

Italiens Banken nach Referendum
IW-Nachricht, 5. Dezember 2016

Italien Unsicherheit kann Banken destabilisierenArrow

Die Banca Monte die Pasci di Siena, die drittgrößte Bank Italiens, muss bis zum Ende dieses Jahres einen Großteil ihrer Problemkredite ab- und Eigenkapital aufbauen. Der Ausgang des Referendums macht die Erfüllung dieser EZB-Auflage schwieriger. Andere italienische Banken stehen vor ähnlichen Problemen. mehr

5. Dezember 2016

Referendum „Italien ist ein anderes Kaliber als Griechenland“Arrow

Italien hat sich gegen eine Parlamentsreform entschieden, Ministerpräsident Matteo Renzi ist zurückgetreten. Im Interview spricht Jürgen Matthes, Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, über das Wahlergebnis und dessen Folgen. mehr auf iwd.de

Die Belastungs- und Aufkommenswirkungen der kalten Progression
IW policy paper, 2. Dezember 2016

Martin Beznoska Die Belastungs- und Aufkommenswirkungen der kalten ProgressionArrow

Von 2010 bis einschließlich 2015 hat sich die gesamte, nicht mittels Tarifanpassungen ausgeglichene Zusatzbelastung der Steuerzahler durch die kalte Progression auf 36,5 Milliarden Euro summiert. Diese versteckten impliziten Steuererhöhungen durch die kalte Progression sind nicht durch die Gesetzgebung legitimiert und sollten daher von der Politik beseitigt werden. mehr