Europäische Bankenunion Image
Quelle: Leonardo Franko – Fotolia

Die Europäische Bankenunion hätte drei Säulen: eine gemeinsame Bankenaufsicht, einen gemeinsamen Abwicklungsrahmen für insolvente Banken und gemeinsame Standards für die Einlagensicherung. Über die zweite Säule wird am heftigsten gestritten. Denn die Europäische Kommission plant einen gemeinsamen europäischen Fonds, um die Abwicklung von insolventen Banken zu finanzieren.

Bevor allerdings Gelder aus dem Fonds fließen, müssten Eigentümer und Gläubiger der Bank für Verluste haften. Außerdem muss das Management der Bank abtreten. Doch trotz dieser geplanten Schritte befürchten Kritiker, dass es in letzter Konsequenz zur Umverteilung der verbleibenden Verluste zwischen den Euroländern kommt.

Eine Studie des IW Köln skizziert nun ein Modell, mit dem dieser Umverteilung ein Riegel vorgeschoben werden könnte – trotz Bankenunion. Dazu müsste der gemeinsame Fonds durch ein Europäisches System ersetzt werden, das aus 17 nationalen und einem europäischen Fonds besteht. Die Idee: Nur Banken, die für die Eurozone systemrelevant sind, zahlen in den europäischen Fonds ein, während die rein national tätigen Banken in ihren jeweiligen nationalen Fonds einzahlen. Der europäische Fonds wird dementsprechend auch nur dann herangezogen, wenn eine Gefahr für die gesamte Eurozone besteht. Und: Der Fonds steht nur für neue Schieflagen bereit, für „Altlasten“ dürfen nur die nationalen Fonds aufkommen.

Zusätzlich schlägt das IW Köln noch weitere Ergänzungen für die Europäische Bankenunion vor:

  • So sollen Banken auch Staatsanleihen mit Eigenkapital unterlegen müssen, wenn sie diese in ihrem Portfolio halten wollen. So soll verhindert werden, dass Banken durch überschuldete Staaten in Schieflage geraten.
  • Bevor die Bankenunion in Kraft tritt, müssen die Banken gesundet sein. Dadurch soll verhindert werden, dass das System der Abwicklungsfonds durch Probleme aus der letzten Krise belastet wird.
  • Langfristig soll sowohl die Bankenaufsicht als auch die Koordination der Banken-Abwicklung in eigenständige und unabhängige Behörden überführt werden. Bislang wäre für ersteres die Europäische Zentralbank zuständig und für letzteres läge die abschließende Entscheidungskompetenz bei der Europäischen Kommission. Nur durch eine Trennung könnten Interessenskonflikte zwischen Geldpolitik und Bankenaufsicht sowie Bankenabwicklung und der Genehmigung von staatlichen Beihilfen vermieden werden.

IW policy paper

Markus Demary: Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinschaftung von Bankverlusten

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Italiens Banken nach Referendum
IW-Nachricht, 5. Dezember 2016

Italien Unsicherheit kann Banken destabilisierenArrow

Die Banca Monte die Pasci di Siena, die drittgrößte Bank Italiens, muss bis zum Ende dieses Jahres einen Großteil ihrer Problemkredite ab- und Eigenkapital aufbauen. Der Ausgang des Referendums macht die Erfüllung dieser EZB-Auflage schwieriger. Andere italienische Banken stehen vor ähnlichen Problemen. mehr

5. Dezember 2016

Referendum „Italien ist ein anderes Kaliber als Griechenland“Arrow

Italien hat sich gegen eine Parlamentsreform entschieden, Ministerpräsident Matteo Renzi ist zurückgetreten. Im Interview spricht Jürgen Matthes, Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, über das Wahlergebnis und dessen Folgen. mehr auf iwd.de

Kapitalflucht aus Italien? "Diese Ängste sind überzogen"
Gastbeitrag, 5. Dezember 2016

Jürgen Matthes auf Focus Online Kapitalflucht aus Italien? "Diese Ängste sind überzogen"Arrow

Italien steht am Scheideweg: Verliert Matteo Renzi am Sonntag das Referendum, drohen Rücktritt, Neuwahlen und eine Bankenkrise. Angeblich bringen die Italiener bereits Geld außer Landes. Doch die Interpretation ist falsch, schreibt IW-Experte Jürgen Matthes in seinem Gastkommentar für Focus Online. mehr