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Allen Reformbemühungen in Italien, Spanien und Co. zum Trotz – die Finanzmärkte scheinen schon die Risiken eines Euro-Zusammenbruchs einzupreisen, was die Zinsen der Staatspapiere der Krisenländer nach oben treibt. Damit steigen aber auch die Zinsen für die Privatwirtschaft, und zwar mindestens so hoch wie die für Staatsanleihen. Weil deshalb die Niedrigszinspolitik der EZB in den Krisenländern nicht ankommt, ist der Ankauf von Staatsanleihen mit dem EZB-Mandat vereinbar – wenn die Krisenländer weiterhin an ihren Reformen arbeiten. Deshalb darf die EZB nicht allein agieren, sondern nur in Zusammenarbeit mit dem Rettungsschirm und seinen obligatorischen Reformprogrammen.

Wenn die EZB ein festes Zinsziel etwa für italienische Staatsanleihen vorgibt, legt sie damit gleichzeitig eine Kursuntergrenze fest, zu der sie Staatsanleihen aufkauft. Das würde den Finanzinvestoren gut gefallen. Denn viele von ihnen wollen sich auf Druck ihrer Eigentümer derzeit wohl lieber früher als später von den Staatsanleihen der Krisenländer trennen. Momentan laufen sie bei einem Markt ohne viele Käufer aber Gefahr, dass die Kurse stark sinken, wenn sie ihre Staatsanleihen en gros auf den Markt werfen. Das brächte Verluste, was viele noch davon abhält zu verkaufen.

Die Unsicherheit über das Verlustrisiko sollte ihnen die EZB aber nicht abnehmen. Andernfalls mag es zu einem starken Run aus den Staatanleihen der Krisenländer kommen, der für die EZB sehr teuer werden könnte.

Das wäre auch aus einem weiteren Grund problematisch. Denn weil die EZB bei der Umschuldung in Griechenland zu Recht einen vorrangigen Gläubigerstatus eingeräumt bekommen hat, würden mit immer größeren EZB-Aufkäufen immer mehr Risiken auf die verbleibenden Privatinvestoren verlagert. Die von ihnen geforderten Zinsen würden deshalb steigen und die Kurse sinken. Als Reaktion darauf würde das relativ hohe Kursziel der EZB immer attraktiver und die Verkaufswelle könnte noch größer werden.

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26. September 2016

Geldpolitik Draghische EntscheidungenArrow

Seit 2008 zieht die Europäische Zentralbank (EZB) ein geldpolitisches Instrument nach dem anderen aus dem Hut, um die Märkte zu stabilisieren, die Wirtschaft zu beleben oder – wie derzeit – die Inflation anzukurbeln. Weil bislang nicht alle erhofften Wirkungen eingetreten sind, soll EZB-Chef Mario Draghi nach dem Willen einiger Ökonomen noch tiefer in die geldpolitische Trickkiste greifen. Doch das ist nicht notwendig. Denn tatsächlich wirkt die Niedrigzinspolitik – auf dem Arbeitsmarkt. mehr auf iwd.de

Zinsentscheidung der Federal Reserve
IW-Nachricht, 22. September 2016

Zinsentscheidung der Federal Reserve Normalisierung der Geldpolitik immer unwahrscheinlicher Arrow

Die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) hat die Erhöhung des Leitzinses erneut aufgeschoben. Im vorigen Jahr hatte die Fed ihre Niedrigzinspolitik zwar offiziell beendet. Doch trotz guter Arbeitsmarktdaten gab es seitdem keine weiteren Zinsschritte. Vom „normalen“ Leitzins, der in den USA bei 4 Prozent läge, ist die Zentralbank also weit entfernt – und müsste im Abschwung wie Europa auf negative Zinsen setzen. mehr

The Contribution of Supply and Demand Factors to Low Inflation
IW-Kurzbericht, 20. September 2016

Michael Hüther / Markus Demary IW Monetary Outlook: The Contribution of Supply and Demand Factors to Low InflationArrow

Eurozone inflation underperforms since the beginning of 2013 and monetary policy struggles to stabilize it since then. The items of the aggregate inflation rate indicate that low inflation is due to both supply and demand factors and weak demand is caused by indebtness and unemployment. Additional monetary policy measures are not required in the current situation because monetary policy has long lags when economies are indebted and it already helped to reduce cyclical unemployment. mehr