Erneute Leitzinssenkung Image
Quelle: VRD – Fotolia

In den vergangenen Wochen haben schlechte Konjunkturmeldungen den Druck auf die EZB erhöht, ihre Geldpolitik weiter zu lockern: Die Inflation in der Eurozone ist auf 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gefallen und hat bereits existente Deflationssorgen weiter geschürt. Zudem sanken verschiedene Stimmungsindizes. Damit stellt sich die Frage, ob der aufkeimende Aufschwung sich durchsetzen kann. Am Finanzmarkt stiegen so die Erwartungen an die EZB immer weiter.

Einen kleinen Erfolg konnte sie mit der neuerlichen Leitzinssenkung feiern: Der Wechselkurs sank zwischenzeitlich auf unter 1,30 Dollar je Euro – eine solche Abwertung sollte helfen, die Exporte europäischer Unternehmen zu beflügeln. Zudem legte der Dax ebenfalls leicht zu. Doch es gibt auch Wermutstropfen: Denn hinter der Euro-Abwertung stehen Kapitalabflüsse aus der Eurozone in die USA, wo die Zinsen bald steigen dürften. Im Moment ist zwar auch in Europa noch viel Kapital unterwegs, doch wenn die Kapitalabflüsse weiter zunehmen, könnten hierzulande die längerfristigen Zinsen steigen, was den fragilen Aufschwung in der Eurozone weiter erschweren könnte. Denn steigende Zinsen erhöhen die Kosten für Unternehmen, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren.

Die EZB hat am Donnerstag den Einlagenzins ebenfalls um 10 Basispunkte auf minus 0,2 Prozent gesenkt. Es bleibt abzuwarten, wie die Banken mit den gestiegenen Kosten durch den negativen Einlagenzins umgehen. Die Profitabilität vieler Banken ist im aktuellen Niedrigzinsumfeld schon gering. Eine Ausweichreaktion der Banken durch Investitionen in Hochzinsanleihen könnte aber Gefahren für die Finanzstabilität mit sich bringen.

Ohnehin sollte die EZB die mittelfristigen Risiken ihrer extremen Niedrigzinspolitik stärker berücksichtigen und nicht nur auf die kurzfristigen Probleme schauen. Zumal nicht ausgemacht ist, dass die jüngste Delle bei den Stimmungsindikatoren dauerhafter Natur ist: Gestern gab es – zumindest für Deutschland – sehr positive Nachrichten von den industriellen Auftragseingängen, die überraschend stark gestiegen sind.

Die Belastungs- und Aufkommenswirkungen der kalten Progression
IW policy paper, 2. Dezember 2016

Martin Beznoska Die Belastungs- und Aufkommenswirkungen der kalten ProgressionArrow

Von 2010 bis einschließlich 2015 hat sich die gesamte, nicht mittels Tarifanpassungen ausgeglichene Zusatzbelastung der Steuerzahler durch die kalte Progression auf 36,5 Milliarden Euro summiert. Diese versteckten impliziten Steuererhöhungen durch die kalte Progression sind nicht durch die Gesetzgebung legitimiert und sollten daher von der Politik beseitigt werden. mehr

Schadet die EZB-Geldpolitik mehr, als sie nützt?
Gastbeitrag, 19. Oktober 2016

Michael Hüther im Magazin Positionen Schadet die EZB-Geldpolitik mehr, als sie nützt?Arrow

Die Europäische Zentralbank will die Wirtschaft ankurbeln, indem sie die Zinsen gen null drückt: Sparen allein lohnt nicht mehr – wer sein Geld mehren will, muss investieren. Aber sorgt dieser Gedanke tatsächlich für den angestrebten Effekt? Diese Frage ergründet IW-Direktor in einem Gastbeitrag für Positionen, das Magazin der deutschen Versicherer. mehr

Die Politik kann das volkswirtschaftliche Risiko drosseln
Gastbeitrag, 6. Oktober 2016

Tobias Hentze auf xing.com Die Politik kann das volkswirtschaftliche Risiko drosseln Arrow

Wie stark belastet die Niedrigzinspolitik die Betriebsrenten? Die andauernde Zinspolitik der EZB beschert Unternehmen finanzielle Sorgen: Firmen müssen heute für Pensionen mehr Geld zurückstellen, als noch vor wenigen Jahren. Was muss jetzt passieren? mehr