Entlastung bei kalter Progression Image
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Zum 1. Januar 2016 soll der Einkommenssteuertarif um 1,5 Prozent „nach rechts“ verschoben werden – also genau um den Prozentsatz, den das Bundesfinanzministerium als Inflationsrate 2014 und 2015 erwartet. Eine Rechtsverschiebung bedeutet, dass die steigenden Steuersätze des progressiven Einkommensteuertarifs erst bei etwas höherem Einkommen greifen. Dadurch werden die Steuerzahler ab dem kommenden Jahre etwas mehr Netto vom Brutto erhalten, allerdings ist die Anpassung des Tarifs weit davon entfernt, die gesamte Inflation seit 2010 auszugleichen – damals erhöhte der Gesetzgeber nämlich letztmalig alle Einkommensgrenzen des Steuertarifs.

Nach Schäubles Plänen, zeigt eine Berechnung des IW Köln, behält ein Lediger mit einem Bruttoeinkommen von 40.000 Euro ab Januar etwa 85 Euro mehr im Portemonnaie. Wollte der Gesetzgeber jedoch die Inflation von 2010 bis 2015 in Höhe von gut 7 Prozent ausgleichen, müssten netto rund 328 Euro mehr übrig bleiben. Ein Paar mit einem Einkommen von 60.000 Euro würde nun um 122 Euro entlastet. Für einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression seit 2010 wären aber 428 Euro erforderlich (Grafik).

Wenn der Fiskus jetzt einen Teil seines Gewinns aus dem Zusammenspiel von Inflation und progressiven Steuersätzen an den Bürger zurückgibt, ist das zwar zu begrüßen. Es stellt sich jedoch die Frage, warum er nicht auf den gesamten Gewinn aus der kalten Progression als schleichender Steuererhöhung seit 2010 verzichtet.

Für die Zeit nach 2016 steht zudem noch in den Sternen, wie die Politik mit der kalten Progression umgehen wird. Zwar kündigte Schäuble an, auch weiterhin die Inflationsraten im Blick zu behalten und je nach Lage die heimlichen Steuererhöhungen auszugleichen. Doch den Mut zu einem „Tarif auf Rädern“ will die Politik offenbar immer noch nicht aufbringen. Solange der kalten Progression jedoch nicht per Gesetz ein Riegel vorgeschoben wird, liegt eine Abmilderung im jeweiligen Ermessen der Politik.

Erklärung: Die kalte Progression beschreibt Steuermehreinnahmen, die dem Fiskus dadurch entstehen, dass Einkommenssteigerungen die Inflation ausgleichen sollen, dabei jedoch einem höheren Steuersatz unterliegen.

Lauwarme Progression

Entlastung nach Bruttoeinkommen durch die Schäuble-Reform im Vergleich zur zusätzlichen Belastung durch die kalte Progression seit der letzten umfassenden Tarifanpassung im Jahr 2010 (jeweils in Euro pro Jahr)

Ansprechpartner

10. Januar 2017

Geldpolitik Bargeld bremst Wirkung der GeldpolitikArrow

Die Europäische Zentralbank flutet die Märkte seit Jahren mit Geld, um die Inflation anzukurbeln. Die althergebrachte Methode funktioniert jedoch nicht mehr. Einer der Gründe: Die EU-Bürger horten Bargeld. mehr auf iwd.de

Ein bisschen mehr Netto vom Brutto
IW-Kurzbericht, 9. Januar 2017

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Mit jedem Jahreswechsel ändern sich die Eckwerte zur Berechnung der Steuer- und Abgabenlast: In diesem Jahr werden zum Ausgleich der kalten Progression der Steuertarif leicht abgeflacht und die Freibeträge erhöht. Allerdings steigt der Beitragssatz zur Pflegeversicherung. Zudem erhöhen sich die Bemessungsgrenzen zur Renten- und Krankenversicherung, so dass für Single, Alleinerziehende und Familien nur ein kleines Plus übrigbleibt. mehr

The U.S. experience should lead the way
Gastbeitrag, 3. Januar 2017

Michael Hüther in The International Economy The U.S. experience should lead the wayArrow

Despite of the European Central Bank’s (ECB) accommodative monetary policy stance, Euro Area inflation expectations remain persistently depressed. Financial intermediaries’ interest rate margins have been squeezed and the secondary market for sovereign debt is running out of bonds. As a consequence more and more European economists call for a tool of last resort – helicopter money. A contribution by Michael Hüther for The International Economy, a specialized quarterly magazine. mehr