Deutscher Immobilienmarkt Image
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Niedrige Zinsen bis 2016 – so hat es die Europäische Zentralbank verkündet. Da ist es selbstverständlich notwendig, sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Sparer setzen in solchen Zeiten verstärkt auf Sachwerte wie Immobilien, die eine relative inflationssichere Rendite versprechen. Gleichzeitig können sie auch günstig Fremdkapital aufnehmen – dies gilt auch für institutionelle Investoren. Beobachtet man also stark steigende Immobilienpreise bei gleichzeitig steigender Kreditvergabe für Wohnungskäufe, dann sind das deutliche Anzeichen für das Entstehen einer Immobilienblase.

Bei beiden Punkten kann man für Deutschland allerdings immer noch Entwarnung geben: Die Preise steigen zwar, aber nicht flächendeckend, sondern konzentriert in den Ballungszentren, in denen der Beschäftigungsaufbau und die Zuwanderung aus dem In- und Ausland seit Jahren sehr hoch sind. Mit Preissteigerungen von bis zu 5 Prozent pro Jahr ist die Dynamik deutscher Immobilienpreise darüber hinaus viel geringer als beispielweise in den USA oder Spanien, wo die Spekulationsblasen in den Jahren 2007/2008 geplatzt sind.

Noch beruhigender als das ist allerdings folgendes: Eine Immobilienblase ist auch immer eine Kreditblase – und diese lässt sich hierzulande bislang bei der Finanzierung von Immobilien nicht erkennen. So ist das Kreditvolumen seit Jahren konstant und auch zuletzt kaum angestiegen. Weiterhin gilt bei der hiesigen Immobilienfinanzierung das Vorsichtprinzip, bestehend aus langfristiger Zinsbindung, hohen Eigenkapitalanteilen und niedrigen Bewertungsansätzen für die zu beleihenden Immobilien. Dieses „deutsche“ Finanzierungsmodell hat uns schon vor manchen Krisen bewahrt und wird wohl auch in der aktuellen Niedrigzinsphase mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die Folgen für den deutschen Immobilienmarkt überschaubar bleiben.

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Gastbeitrag, 1. Dezember 2016

Michael Voigtländer in der Rheinischen Post Eigenheim-Förderung? Ja, aber richtig!Arrow

Angesichts niedriger Bauzinsen ist Wohneigentum heute fast überall günstiger als das Wohnen zur Miete. Doch viele Familien verfügen nicht über das nötige Eigenkapital. Statt neue Zuschüsse einzuführen, sollte der Staat die Nebenkosten senken. Ein Gastbeitrag von IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer in der Rheinischen Post. mehr

Gutachten, 28. November 2016

Michael Voigtländer / Björn Seipelt Wohnkostenreport – Droht eine Überhitzung des deutschen Wohnungsmarktes?Arrow

Die Analyse von Mieten und Wohnnutzerkosten für 402 Kreise zeigt, dass das Wohnen im eigengenutzten Wohneigentum auf breiter Basis deutlich günstiger ist als das Wohnen zur Miete. Bei einer gesamtdeutschen Betrachtung ist der Erwerb von Wohneigentum durchschnittlich rund 41 Prozent günstiger als das Mieten. mehr