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Für ihre Analyse nutzten die IW-Wissenschaftler Daten des Sozio-oekonomischen Panels, eine jährliche Wiederholungsbefragung von ca. 20.000 Personen. Deren Auswertung zeigt, dass ein großer Teil neuer Beschäftigungsverhältnisse – anders als oft vermutet – keinesfalls nur vorübergehend ist: Drei Viertel der Personen, die aus Inaktivität heraus eine Vollzeitbeschäftigung fanden, übten sie ein Jahr später immer noch aus.

Die Studie belegt außerdem, dass in Deutschland Aufstieg möglich ist: Einem Viertel aller Personen aus dem untersten Einkommensfünftel gelingt innerhalb eines Jahres der Aufstieg in höhere Einkommensschichten. Über einen Zeitraum von sechs Jahren verbleiben nur 17 Prozent dauerhaft in der untersten Schicht. Der soziale Aufstieg ist für die meisten außerdem nicht nur vorübergehend. So gelang einem Fünftel der Aufsteiger aus dem untersten Fünftel innerhalb der betrachteten sechs Jahre sogar der Sprung in die beiden höchsten Einkommensfünftel.

Insgesamt, so folgern die IW-Wissenschaftler, gibt es in Deutschland entgegen der allgemeinen Wahrnehmung also durchaus soziale Mobilität – sowohl hinsichtlich der Beteiligung am Erwerbsleben als auch hinsichtlich des Einkommens. Dennoch bleiben einige Personen über lange Zeiträume vom Erwerbsleben ausgeschlossen und/oder stehen am unteren Ende der sozialen Skala. Entsprechend, so die Empfehlung der Experten, sollte die Politik die Arbeitsmarktintegration weiter verbessern. Beispielsweise, indem sie alles daran setzt, mehr Langzeitarbeitslose zurück ins Berufsleben zu bringen. Entsprechenden Maßnahmen sollte eine höhere Priorität eingeräumt werden als jenen, die Einkommen stärker umverteilen sollen.

Kurzstudie

Holger Schäfer / Jörg Schmidt: Chancengerechtigkeit durch Aufstiegsmobilität – Kurzstudie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)

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Gastbeitrag, 27. Dezember 2016

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Mittlerweile kursiert der Entwurf des Fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung im Internet. Der Bericht deutet auf viele positive Entwicklungen hin, dennoch werden in vielen Medien vor allem negative Befunde betont. Das ebenfalls dokumentierte Auseinanderdriften von gefühlter und messbarer Realität dürfte sich dadurch weiter verstärken. mehr

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