Anerkennung behebt Engpässe und fördert die Integration Image
Unter den Antragstellern sind viele KFZ-Mechatroniker – diese werden in Deutschland oft händeringend gesucht. Foto: lentolo/iStock

Wer im Ausland einen Berufsabschluss erworben hat, kann diesen seit 2012 in Deutschland anerkennen lassen. Das Interesse ist groß, die Zahl der Antragsteller steigt stetig. 2015 wurde mit gut 22.400 bearbeiteten Anerkennungsverfahren ein neuer Höchstwert erreicht. Auch die Zahl der erfolgreichen Verfahren ist erneut gestiegen: So liegt die Zahl der voll anerkannten Abschlüsse 10 Prozent über der Vorjahreszahl, bei den teilweise anerkannten Abschlüssen sind es 44 Prozent. Nur 450 Anträge wurden abgelehnt.

Die deutsche Wirtschaft darf sich darüber freuen, dass immer mehr Zuwanderer das Anerkennungsverfahren nutzen wollen, bedeutet es doch, dass mehr anerkannte Fachkräfte mit ausländischem Berufsabschluss in Deutschland arbeiten wollen. Zudem werden besonders viele Anträge in jenen Bereichen gestellt, in denen hierzulande Fachkräfte fehlen. So kommen die meisten Antragsteller aus den medizinischen Gesundheitsberufen. Aber auch viele Elektroniker, Kraftfahrzeugmechatroniker und Elektroanlagenmonteure haben sich um eine Anerkennung beworben – diese Berufe zählen in Deutschland zu den Engpassberufen.

Das Anerkennungsgesetz trägt dazu bei, den hiesigen Fachkräftebedarf zu sichern. Es hilft zudem, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Im vergangenen Jahr haben sich knapp 800 in Syrien ausgebildete Fachkräfte um die Anerkennung ihres Berufsabschlusses beworben, das ist die siebtgrößte Gruppe unter den Antragstellern. Die Zahl dürfte noch steigen: Viele der 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge werden voraussichtlich erst in diesem oder im kommenden Jahr ihre Anträge stellen.

Das Anerkennungsverfahren ist zwar noch immer aufwändig und kostenintensiv und kann sich, je nach Herkunftsland und Sprachkenntnissen, in die Länge ziehen. Doch der Aufwand lohnt sich – und Unterstützung, um den Prozess zu verbessern, kommt von verschiedenen Seiten: Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geschaffene und vom IW Köln betriebene Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen (www.bq-portal.de) beispielsweise stellt bereits über 2500 ausländische Berufsprofile und 78 Länderprofile bereit. Das hilft Unternehmen und Kammern, ausländische Berufsabschlüsse besser einschätzen und bewerten zu können.

Gesundheitsberufe überwiegen

Anerkennungsverfahren im Jahr 2015 der 20 häufigsten Berufe

Aus Datenschutzgründen sind alle Daten (Absolutwerte) jeweils auf ein Vielfaches von 3 gerundet; der Gesamtwert kann deshalb von der Summe der Einzelwerte abweichen. Für Bremen liegen keine Daten für das Jahr 2015 vor. Daher wurden für dieses Bundesland die Angaben von 2014 übernommen. Quelle: Destatis

Auch Flüchtlinge unter den Antragstellern

Anerkennungsverfahren im Jahr 2015 der 20 häufigsten Ausbildungsstaaten

Aus Datenschutzgründen sind alle Daten (Absolutwerte) jeweils auf ein Vielfaches von 3 gerundet; der Gesamtwert kann deshalb von der Summe der Einzelwerte abweichen. Für Bremen liegen keine Daten für das Jahr 2015 vor. Daher wurden für dieses Bundesland die Angaben von 2014 übernommen. Quelle: Destatis.

Ansprechpartner

24. November 2016

Anerkennungsverfahren Importschlager FachkraftArrow

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 17.000 ausländische Berufsqualifikationen geprüft und beschieden. Die meisten Antragsteller bringen eine Ausbildung in einem medizinischen Gesundheitsberuf mit. mehr auf iwd.de

Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt
IW-Nachricht, 24. März 2016

Flüchtlinge Beschäftigungstherapie ist der falsche WegArrow

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will noch in diesem Jahr 100.000 Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge schaffen und fordert dafür mehrere hundert Millionen Euro vom Finanzminister. Mit den subventionierten Jobs möchte sie die Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt vorbereiten und vermeiden, dass sie untätig herumsitzen. Doch der Plan der SPD-Politikerin geht in die falsche Richtung. mehr

Berufswahl
17. März 2016

Berufswahl Ein Land, zwei WeltenArrow

In Deutschland haben 2,8 Millionen Arbeitnehmer eine ausländische Staatsangehörigkeit – das ist jeder elfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die Ausländer arbeiten allerdings oft in ganz anderen Berufen als die Deutschen. mehr auf iwd.de